„Ich werde mich nicht müde werden lassen“

Sarah Maria Sun und Oswald Sallabergers intensive Stunde mit György Kurtágs „Kafka Fragmente“ für Sopran und Violine im Haus der Musik.

Exzellentes Duo: der Tiroler Geiger und Dirigent Oswald Sallaberger ganz der Sopranistin Sarah Maria Sun zugeneigt.
© Chó

Von Ursula Strohal

Innsbruck – „Wort und Musik“ gilt als eine eigene Reihe im Haus der Musik Innsbruck und war damit am Donnerstag der präziseste Vermittlungsort für György Kurtágs „Kafka-Fragmente“. Der einzelgängerische Komponist, begreiflicherweise von Kafkas Ideen- und Sprachwelt angesprochen, hat in einem einstündigen Vokalzyklus Textsplitter aus dessen Tagesnotizen, Erzählungen und Briefen entnommen: poetische, absurde, philosophische, destillierte, komische Gedanken, Momentaufnahmen, Erkenntnisse, Farben, Sehnsüchte, kleine Geschichten, Verzweiflungen. In der Vielfalt und dem weiten Raum so unbeirrbar individualistisch wie die Musik des Ungarn. „Nichts dergleichen, nichts dergleichen.“

„Ich werde mich nicht müde werden lassen. Ich werde in meine Novelle hineinspringen und wenn es mir das Gesicht zerschneiden sollte.“

Sarah Maria Sun und Oswald Sallaberger verwirklichen die 40 Kompositionen für Sopran und Violine einzigartig. Beide Experten für Neue Musik, die die Texte erfassen und mit ihrer technischen und klanglichen Virtuosität im Sinn der äußerst komprimierten Notation in Musik verwandeln. Suns Sopran hat enorme Flexibilität und Ausdrucksnuancen, die die stillen Momente der beiden Miniaturenmaler mit zarter Schönheit erfüllen und die dramatischen Effekte setzen.

Sallabergers Part verlangt ihm zwei verschieden gestimmte Instrumente ab und technisch höchst variable Brillanz. In enger Verbindung sprechen sie von „Trauer, Verzweiflung, Humor, Hintersinn, von so vielem zugleich“, wie Kurtág selbst formulierte. Zu Kafkas Ironie ein chassidischer Tanz: „Einmal brach ich mir das Bein, es war das schönste Erlebnis meines Lebens.“

Stimme und Violine umspielen sich, färben in emotionaler Bandbreite die Gedanken der beiden Miniaturmaler, kommentieren, Regionaltradition blitzt auf, Sun kann einmal die Worte nur aus Vokalen bestehen lassen und Sallabergers Geige sich solistisch verlieren. In der Reduktion wird vieles kenntlich. „Geschlafen, aufgewacht, geschlafen, aufgewacht, elendes Leben.“


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