Auf die Größe kommt es nicht an: Doku mit Sexualtherapeuthin Dr. Ruth (92)

Explizit humorig: Die Doku „Fragen Sie Dr. Ruth“ stellt die bekannteste Sexualtherapeutin der USA vor.

In „Fragen Sie Dr. Ruth“ taucht die Sexualtherapeutin auch in ihre eigene Vergangenheit ab: Als Kind flüchtete sie vor den Nazis.
© Filmladen

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Wer in den Achtzigern Fragen zur Sexualität hatte, stellte sie Dr. Ruth. 50 Jahre später: Ruth Westheimer ist heute 92 und nach wie vor die bekannteste Sexualtherapeutin der USA. „Oma Freud“ veröffentlichte allein 2018 vier Bücher, verfasst wöchentlich eine Kolumne für die Time und ist noch öfter in Radio oder Fernsehen zu Gast. Aktuell begegnet man Dr. Ruth noch dazu im Kino, Regisseur Ryan White hat ihr mit „Fragen Sie Dr. Ruth“ einen Dokumentarfilm gewidmet, der nicht nur ihre kuriose Karriere, sondern auch ihre tragische Kindheit beleuchtet.

Ja, ihr Zungenschlag ist verräterisch: Westheimer ist gebürtige Deutsche. Mit zehn Jahren flüchtete sie vor den Nazis in die Schweiz. Ihre Familie, orthodoxe Juden, hat Karola Siegel (so Ruths Geburtsname) aber nie mehr gesehen. „Meine Eltern haben mir zweimal ein Leben geschenkt“, fasst Westheimer die Zeit von damals zusammen. Trotz ihrer Offenherzigkeit blieb ihre Vergangenheit bisher weitgehend unbearbeitet.

📽️ Video | Trailer zu „Fragen Sie Dr. Ruth“

Ganz anders in der aktuellen Doku, wo sie mit White nochmal ins Leben von Karola Siegel abtaucht. Der Zuseher folgt ihr ins Schweizer Kinderheim, zu ihrem ersten Freund, nach Israel, wo sie zur Scharfschützin ausgebildet wird.

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Spektakulär erzählen lässt sich anschließend ihre Karriere in den USA: „Sexually Speaking“, ihre erste Radiosendung, wurde aus Angst vor Protesten anfangs sonntagnachts ausgestrahlt, die Hörerschaft aber wuchs unentwegt: Talkshows, Late Night und schlussendlich ihre eigene Sendung folgten; Hundertausende holten sich Ratschläge ein. Auf die Größe komme es nicht an, musste Westheimer öfter betonen – implizierte dabei aber auch ihre eigene Körpergröße: Gerne stellte sie sich als „1,42 Meter purer Sex“ vor.

Absolut zwanglos, humorig, aber dennoch hochprofessionell sprach Dr. Ruth früher (und heute noch) über Partnerschaft, Fetisch, Abtreibung oder weibliche Lust. Eine radikale Feministin sei sie deshalb aber dennoch nicht, sondern immer auch „etwas konservativ“, gesteht die 92-Jährige ihren Enkelinnen. Konservativ ist ihre Doku jedenfalls nicht geraten, aber unterhaltsam.


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