Konsumlust trotzt der Corona-Krise: Österreicher sind in Kauflaune

Die Kauffreude der Österreicherinnen und Österreicher ist laut neuem „Wirtschaftsbarometer“ überraschend hoch. Für die weitere Konjunkturentwicklung sind indes viele pessimistisch.

40 Prozent der Bevölkerung wollen weniger ausgeben, ein Viertel hingegen keinesfalls. (Symbolbild)
© Rottensteiner

Von Alois Vahrner

Linz, Innsbruck – Seit mehr als 28 Jahren erhebt die Linzer Spectra Marktforschung mit dem Wirtschaftsbarometer Daten für das aktuelle Konjunktur- und Konsumklima in Österreich. Und dieses bringt angesichts des äußerst schwierigen Umfelds durch die sich wieder verschärfende Corona-Krise ein durchaus differenziertes Stimmungsbild in der Bevölkerung, geht aus der Repräsentativumfrage (über 2000 Befragte) für die OÖN, die TT und die anderen Bundesländer-Tageszeitungen hervor.

Die Konjunktur-Stimmung ist mit Ausbruch der Pandemie und dem folgenden Lockdown im Frühjahr massiv eingebrochen. Im 2. Quartal befürchteten 52 Prozent eine weitere Verschlechterung der Wirtschaftslage und nur 18 Prozent eine Verbesserung. Mittlerweile ist der Anteil der Pessimisten etwas auf 44 Prozent gesunken, an eine Verbesserung der Konjunktur glauben aber auch nur 17 Prozent. 32 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Situation, 7 Prozent wollen sich nicht festlegen.

„Das private Konsumklima lag im dritten Quartal auf einem überraschend hohen Niveau“, sagt Spectra-Chef Peter Bruckmüller. „Nur“ 40 Prozent wollen sparsamer mit ihrem Geld umgehen als vorher. Dieser Wert hat sich zwar seit der Vor-Corona-Zeit etwas erhöht, er liegt aber trotzdem nur einige Prozentpunkte selbst über den Werten aus den Hochkonjunktur-Jahren. 25 Prozent der Befragten wollen sich keinesfalls einschränken, 33 Prozent sagen „teils, teils“. „Die wesentliche Erkenntnis aus dem Sommer: Die Geldmengen im privaten Bereich sind da. Die Menschen waren relativ entspannt, das Wetter schön, die Zahlen waren niedrig. Im vierten Quartal wird sich die Situation aber verschärfen.“ Für Bruckmüller fehle zum Teil die Motivation, andererseits aber auch die Möglichkeit, Geld auszugeben. „Ersteres ist der Maskenpflicht geschuldet, Letzteres liegt etwa an den fehlenden Reisemöglichkeiten.“ Leider reiche der Privatkonsum alleine nicht aus, um die Wirtschaft („der Konjunkturmotor ist abgestorben“) nachhaltig positiv zu beeinflussen.

Die eigene Stimmungslage im Sinne eines Wetterberichts beurteilen 15 Prozent als einen strahlend blauen Himmel, weitere 42 Prozent mit sonnig und 36 Prozent mit leicht bewölkt. Stark bewölkt bzw. regnerisch ist die Stimmung aber nur für 8 Prozent und damit überraschend wenige. Den kommenden zwölf Monaten blicken immerhin 49 Prozent mit Zuversicht entgegen, während mit 44 Prozent ähnlich viele sorgenvoll in die Zukunft schauen.

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Insgesamt 6 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich trotz der Krise mit ihrem Einkommen mehr leisten können als vor einem Jahr. 53 Prozent können sich demnach gleich viel leisten und mit 36 Prozent mehr als ein Drittel weniger als im Vorjahr.

Mit Blick auf den Arbeitsmarkt (hier gab es heuer einen massiven Anstieg von Arbeitslosen- und Kurzarbeits-Zahlen) rechnen 55 Prozent heuer mit steigender und nur 12 Prozent mit sinkender Arbeitslosigkeit. 26 Prozent gehen von einer stabilen Situation aus.

Der Staat solle mehr sparen, sagen 16 Prozent der Befragten. Er solle mehr als bisher investieren bzw. Geld ausgeben, finden hingegen 32 Prozent. Für 48 Prozent der Befragten muss der Staat den Spagat, gleichzeitig zu sparen und auch mehr zu investieren, hinbekommen.


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