Zillertaler Mobilitätskonzept: TVB-Beschluss macht „fassungslos“

Wider Erwarten beschließt der Mayrhofner Tourismusverbandsaufsichtsrat, die Ortstaxe 2023 nicht für das Zillertaler Mobilitätskonzept zu erhöhen. Das 180 Mio. Euro teure, stark geförderte Talkonzept gerät ins Wanken.

So soll der neue Bahnhof in Mayrhofen aussehen. Doch nun wankt das ganze Mobilitätskonzept.
© ZVB/Stadler

Von Angela Dähling

Mayrhofen – Acht Aufsichtsräte im Tourismusverband Mayrhofen-Hippach könnten mit ihrem einstimmigen Beschluss Donnerstag dafür gesorgt haben, dass das ganze Zillertal weiter auf eine zukunftsfähige Verkehrslösung warten muss. Denn sie sagten Nein zur Erhöhung der Ortstaxe um 1,25 Euro ab Winter 2023/24. Die talweite Ortstaxenerhöhung ist zur Mitfinanzierung des Mobilitätskonzepts inklusive wasserstoffbetriebener Zillertalbahn aber notwendig.

Jene drei Aufsichtsräte, die für die Erhöhung gestimmt hätten, waren entschuldigt bzw. bei der Abstimmung nicht mehr anwesend. Nämlich Josef Reiter (Mayrhofner Bergbahnen), BM Monika Wechselberger (Mayrhofen) und BM Franz Hauser (Schwendau). Jetzt ist der Katzenjammer groß. „Ich bin fassungslos, das ist absolut fatal. Der TVB lässt das ganze Tal im Stich“, sagt BM Wechselberger. Auch BM Hauser fehlt jedes Verständnis. Beide wollen sich um eine neuerliche Sitzung und Abstimmung bemühen.

„Leider herrscht heute Egoismus und Kleingeistigkeit vor“

Vor den Kopf gestoßen fühlen sich auch Franz Hörl, Aufsichtsratsvorsitzender der Zillertaler Verkehrsbetriebe (ZVB), und ZVB-Vorstand Helmut Schreiner, die gemeinsam mit Alexander Jug (Verkehrsverbund Tirol) neuerlich über das Konzept informierten und Fragen beantworteten. „Es gab kaum Fragen. Wir waren zuversichtlich“, sagt Hörl, der betont, dass 180 Mio. Euro investiert werden, wovon über 80 Prozent von Land und Bund übernommen werden. „Mayrhofen war ein Dorf voller Pioniere, die Jahrzehnte den Tourismus geprägt haben. Leider herrscht heute Egoismus und Kleingeistigkeit vor“, kommentiert Hörl den Beschluss. Das Projekt gerate ins Wanken. Die Realisierung für 2023/24 sei gestorben. Denn die Wasserstoffzüge müssten heuer bestellt werden.

Nächsten Freitag will der ZVB-Aufsichtsrat über die weitere Vorgehensweise beraten. TVB-Obmann Andreas Hundsbichler erklärt, er habe für das Projekt geworben, zähle aber nicht zum Aufsichtsrat. Er habe Verständnis für den Beschluss: „Der Zeitpunkt ist schwierig, Betriebe bangen um ihre Existenz.“ Als Begründung für das Nein nennt das Gremium neben der Corona-Krise eine eingeschränkte Weiterentwicklung der Ortstaxe für Kernaufgaben des TVB. Durch die geplanten talweiten Gratis-Öffis für den Gast würden die Buskapazitäten in Mayrhofen schnell an ihre Grenzen kommen, daher sollten die Seilbahnen ins Konzept aufgenommen werden. Der Ort sei zudem Naherholungsgebiet, daher möchte man dort keinen Grund für Remisen und Wasserstoffanlagen hergeben. Dafür sei Jenbach geeigneter. Hörl nennt die Gründe „fadenscheinig“.


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