Bedarf an Tagesmüttern in Osttirol steigt seit Jahren

Das Eltern-Kind-Zentrum in Lienz würde das Angebot in den Tälern gerne erweitern.

Die Kinder Helena, Greta und Arno (v. l.) fühlen sich bei ihrer Tagesmutter Lydia und deren Hündin Cindy sichtlich wohl.
© Eltern Kind Zentrum

Von Christoph Blassnig

Lienz – Unterschiedlichste Arbeitszeiten, festgelegte Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen und der immer lauter werdende Ruf nach Flexibilität in der Arbeitswelt sind für Eltern eine Herausforderung. Eine beliebte Form der maßgeschneiderten Kinderbetreuung sind Tageseltern. Im Bezirk Lienz organisiert das Eltern-Kind-Zentrum (EKiZ) die Tagesmütter. Derzeit werden rund 70 Kinder aus 19 verschiedenen Osttiroler Gemeinden bei Tagesmüttern betreut. Vier Anwärter für diesen Beruf stehen aktuell in der Ausbildung und nehmen ab Jänner mit Kindern bei sich daheim ihre Arbeit auf. Darunter ist auch ein Familienvater, der mit seiner Frau die Rollen getauscht hat: Er kümmert sich um den Haushalt und versorgt die Kinder, während sie ihrem Beruf nachgeht. Die Familie wird auch für andere Kinder zur Heimat auf Zeit.

„Der Bedarf an Tagesmüttern steigt seit Jahren“, erklärt Magdalena Ebner vom EKiZ in Lienz. Im Bundesland seien alle zuständigen Institutionen über den Verein Tageseltern Tirol vernetzt. Dieser Trend sei überall zu spüren. „Viele Eltern machen sich schon ein Jahr, bevor sie nach einer Kinderpause wieder in den Beruf einsteigen, Gedanken über die dann notwendige Betreuung. Wir haben Wartelisten. Doch eine Kontaktaufnahme lohnt sich immer“, meint Ebner. „Denn es gibt immer wieder zeitliche Lücken bei den Tagesmüttern, die genau passen können. Das lässt sich nur im Einzelfall feststellen.“

Umfassende Schulungen

Bereits unmittelbar nach dem Mutterschutz können Babys der Obhut einer Tagesmutter anvertraut werden, die sich um Schützlinge bis zum vierzehnten Lebensjahr kümmern darf. „Dazu schult man die Tageseltern heute umfassend“, erläutert Ebner. Entwicklungspsychologie, Pädagogik, Erste Hilfe und Rechtskunde sind nur einige der Fachgebiete, die in 220 Unterrichtseinheiten vermittelt werden. „Auch später setzen wir auf stete Weiterbildung“, sagt die Sozialpädagogin. „Tageseltern bieten eine professionelle Betreuung, die den Eltern einen wesentlichen Stressfaktor abnimmt.“

Ein Vorteil der Aufnahme in die Familie einer Tagesmutter sei die zeitliche Ungebundenheit. Kinder dürfen auch am Wochenende kommen. Selbst eine Übernachtung ist grundsätzlich möglich. „Allerdings nutzt das bei uns noch niemand“, berichtet Ebner.

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In Osttirol konzentriert sich das Angebot noch im Lienzer Talboden: In Lavant, Debant, Nußdorf, Dölsach, Gaimberg, Tristach und Thurn gibt es wie in Lienz beispielsweise Tagesmütter. Bedarf gäbe es auch anderswo. „Ein Angebot haben wir in Obertilliach, eines in Strassen, eines in Kals, im Januar kommt Virgen dazu“, gibt die Verantwortliche Auskunft. „Wir wünschen uns mehr Tageseltern in den Tälern.“ Auskünfte: 04852/61322.


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