Peter Sidlo klagt Casinos auf 2,3 Millionen Euro

Casinos-Affäre findet ihre Fortsetzung vor dem Handelsgericht. Wegen seiner Abberufung als Vorstand klagt Peter Sidlo den teilstaatlichen Glücksspielkonzern.

Peter Sidlo brachte eine Zivilklage beim Handelsgericht gegen Casinos Austria ein.
© HELMUT FOHRINGER

Wien – Die Casinos-Affäre bekommt nun abseits des Ibiza-Untersuchungsausschusses und der Korruptionsstaatsanwaltschaft andernorts eine indirekte Fortsetzung. Am Handelsgericht Wien hat am Freitag die Tagsatzung zur zivilrechtlichen Klage von Peter Sidlo gegen die Casinos Austria stattgefunden. Der frühere FPÖ-nahe Casinos-Finanzvorstand klagt den teilstaatlichen Glücksspielkonzern wegen seiner vorzeitigen Abberufung auf 2,3 Millionen Euro. Der Kläger Sidlo war persönlich zu Gericht gekommen.

Sidlo war FPÖ-Bezirksrat in Wien. Im März 2019 wurde er zum Finanzvorstand ernannt. Das Amt trat er zwei Monate später an. Am 12. August kam es bei ihm zu einer Razzia. Am 13. November wurden Chatprotokolle in diversen Medien veröffentlicht, die zeigten, dass sein damaliger FPÖ-Chef und Vizekanzler, Heinz-Christian Strache, darauf gedrängt hatte, Sidlo mit dem Vorstandsjob auszustatten. Am 2. Dezember 2019 wurde Sidlo vom Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung seines Amts enthoben.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ortet hinter der Bestellung einen Korruptionsskandal. Der Glücksspielkonzern Novomatic, bestimmender Aktionär bei Casinos, habe sich für die Bestellung Sidlos zum Casinos-Finanzchef nur deshalb eingesetzt, weil im Gegenzug die FPÖ ein Entgegenkommen bei der Vergabe von Lizenzen versprochen habe. Es gilt für alle die Unschuldsvermutung.

Sidlo brachte nun gegen seine Abberufung Klage ein. Darin heißt es, er habe einen Vorstandsvertrag mit dem teilstaatlichen Konzern befristet mit Ende April 2022 abgeschlossen – mit einem Jahresbezug von 350.000 Euro brutto, ab Anfang 2020 hätte sich der Betrag auf 400.000 Euro erhöht. Hinzu käme ein vereinbarter Jahresbonus von bis zu 100 Prozent des Fixbezugs.

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Sidlo fordert Medienberichten zufolge eine Kündigungsentschädigung von 1,98 Mio. an Fixbezügen plus Bonus, weitere rund 31.000 Euro an Sachbezügen, 212.121 Euro an Urlaubsersatzleistung, rund 34.000 aus der Mitarbeitervorsorgekasse (Abfertigung neu) und 93.333 Euro Betriebspension. In Summe 2,353.794 Euro und 83 Cent.

Die Richterin lehnte den Antrag der Casinos, das Zivilverfahren wegen der laufenden strafrechtlichen Ermittlungen zu unterbrechen, ab. Das Verfahren zu Sidlos Klage gegen den Glücksspielkonzern werde vorerst geführt.

Beide Parteien schlossen nach Anregung der Richterin einen Vergleich nicht grundsätzlich aus. (TT)


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