Siebente Künstlerdemo gegen den „Corona-Fleckerlteppich“

„Überwintern wie?“, lautete die Frage, die bei der siebenten Kunst- und Kulturdemo seit Beginn der Coronakrise am Freitagabend in Wien gestellt wurde. Warm anziehen musste man sich angesichts milder Herbsttemperaturen aber noch nicht. Dennoch war nur ein „Häufchen der wenigen Aufrechten“, wie Autorin und Journalistin Susanne Scholl die rund zwei Dutzend Anwesenden nannte, gekommen, um den Forderungen der Kunst- und Kulturschaffenden Nachdruck zu verleihen.

Die ursprünglich am Ballhausplatz geplante Demonstration musste laut polizeilicher Anordnung aufgrund anderer Kundgebungen kurzfristig zwischen die Museen verlegt werden. Also wurden die Forderungen nicht unter dem Kanzleramts-Balkon, sondern unter dem Denkmal von Kaiserin Maria Theresia erhoben. „Wir sind nicht allzu viele, aber wir sind eine kleine Nadel, die immer wieder sticht und lästig ist“, meinte der Sänger und Veranstalter Leon de Castillo. „Wir werden halt immer wieder da stehen“, sagte Scholl, die die grassierende Angst beklagte: „Es gibt keinen Grund, sich zu Tode zu fürchten.“ Eine Gesellschaft ohne Kultur sei allerdings eine tote Gesellschaft.

Es sei durchaus einiges passiert, räumte Gerhard Ruiss, der Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren, ein. Angesichts der erst kürzlich erfolgten Verlängerung und Anhebung einiger Fonds laufe man Gefahr, sich „wie das undankbare Kind gegenüber Eltern, die sich eh aufopfern“, zu fühlen. Doch einerseits würden viele Künstler von dem, was die Kabarettistin Guggi Hofbauer einen „Fleckerlteppich aus Fonds, die einander ausschließen“ nannte, gar nicht erreicht, andererseits sei absehbar, dass weitere Einschränkungen kommen würden. „Vielen Künstlern und Kulturschaffenden steht ein harter Winter bevor“, nämlich einer ohne Verdienstmöglichkeiten bei Bällen und Touristenkonzerten, ohne Buchmessen, Tagungen und Vernissagen, ohne Auftrittsmöglichkeiten bei privaten Festen, sagte Ruiss. Es gehe also um nichts weniger als um die Sicherung der Lebensgrundlagen dieser Bevölkerungsgruppe, die durch weiterführende gesetzliche Maßnahmen und nicht bloß durch Überbrückungshilfen erfolgen müsse.

Hofbauer berichtete von der anhaltenden Absagewelle im Kabarettbereich, die aus Lebenskünstlern Überlebenskünstler mache. Wie stark auch andere Sektoren der Kulturbranche betroffen seien, davon berichteten u.a. der Musiker und Instrumentenbauer Adam Wehsely-Swiczinsky und Willi Hejda von der neuen IG Clubkultur. „Es geht uns die Luft aus!“, warnte Hejda. In den kommenden Wochen will man vor dem Sozialministerium, dem Justizministerium und dem Finanzministerium weitere Kundgebungen abhalten.


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