FPÖ schließt Wien-Wahlkampf trotz Coronavirus klassisch

Die Wiener FPÖ hat sich vom Coronavirus nicht davon abhalten lassen, ihren Wahlkampfabschluss für sie klassisch mit einer Massenveranstaltung am Viktor-Adler-Markt in Favoriten abzuschließen. Der Platz war Freitagnachmittag gut gefüllt, auf Abstand wurde nicht geachtet, auch Masken wurden nur spärlich getragen. Die Reden waren ebenfalls klassisch gegen ungezügelte Zuwanderung und die Corona-Maßnahmen gerichtet.

Ungewöhnliches ließ dagegen die blaue Hausband „John Otti“ erklingen. Anlässlich John Lennons 80. Geburtstag performte sie das Friedenslied „Imagine“, das von einer harmonischen Welt, in der alle Menschen in Frieden miteinander leben, handelt. Die Veranstaltung wurden von massiver Polizeipräsenz begleitet. Auch die politische Konkurrenz ließ sich blicken: nur wenige Meter von der blauen Bühne entfernt verteilte der Grüne Klubchef David Ellensohn grüne Werbung.

Am Boden hatte die FPÖ karikaturistische Bilder von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) als Pinocchio angebracht, mit der Aufforderung: „Halten Sie einen Meter Abstand von diesem Herren.“ Wie seit Jahren gewohnt, kam es bei der Kundgebung zu einem Art Kulturclash zwischen den FPÖ-Wählern und den Hunderten Passanten mit Migrationshintergrund.

Die FPÖ hatte bei ihrem Wahlkampfabschluss praktisch nur ein einziges Thema gehabt: Zuwanderung und die daraus entstehenden Probleme. Sowohl Spitzenkandidat Dominik Nepp als auch Parteichef Norbert Hofer und Klubobmann Herbert Kickl schöpfen in langen Reden aus dem Vollen, um gegen ungezügelte Zuwanderung und falsch verstandene Toleranz zu wettern. Man kam freilich auch nicht ganz ohne das Thema Corona aus.

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Alle Redner warnten davor, dass die Wiener „Fremde in der eigenen Stadt“ geworden seien und seit 2015 die Kriminalität in der Hauptstadt explodiert sei. „Jeder zweite im Gefängnis ist nicht Staatsbürger“, sagte Nepp und forderte gleichzeitig, dass „kriminelle Afrikaner ihre Strafen zuhause absitzen und sich nicht im österreichischen Luxushäfn erholen“. Er sprach sich zudem für einen sofortigen Förderungsstopp für muslimische Vereine, Kindergärten und Moscheen aus. „Syrer, Iraker und Afghanen“ hätten auch nichts „in unseren Gemeindebauten verloren“. Am 11. Oktober wolle man daher, der rot-grünen Stadtregierung einen „Denkzettel verpassen“ und die SPÖ „in Richtung 30 Prozent drücken“, so Nepp, der hörbar weniger Applaus erntete als Kickl, der nach ihm das Wort ergriff und gegen seine Gegner ordentlich vom Leder zog.

Kickl prangerte den „multikulturellen Fatalismus“ an, der „kulturelle Errungenschaften wie Messerstechereien, Machetenkämpfe und Sittenwächter, die nach dem Rechtens sehen, hervorgebracht hat“. „Verdammt noch mal, wohin haben wir es gebracht?“, rief Kickl in die Menge. „95 Prozent, von denen, die zu uns kommen sind, haben bei uns nichts verloren.“

Für die politische Konkurrenz hatte Kickl nur Spott übrig. Die grüne Spitzenkandidatin und Vizebürgermeisterin Birgit Hebein sah er „am Vormittag in Planschbecken am Gürtel und am Nachmittag bei der Massenschlacht in Favoriten“. Seinen Nachfolger im Innenministerium Karl Nehammer (ÖVP) bezeichnete Kickl als „Warmduscher“ und Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) als „jüngsten Demenzpatienten Österreichs“. FPÖ-Mann Nepp lobte er dagegen als „Rohdiamanten, der unter dem Druck zu einem echten Diamanten geworden ist“.

Kickl bat die potenziellen Wähler im Publikum „an all die Grauslichkeiten zu denken, die euch die Stadtregierung und die Bundesregierung angetan haben. Lasst eure Stimme nicht liegen und geht hin“, warb Kickl um Stimmen.

Die Ansprache Hofers war weniger sarkastisch, aber inhaltlich sehr ähnlich. Er empörte sich darüber, dass er von Migranten bedroht werde und richtete diesen aus, dass er dafür sorgen werde, dass sie das Land wieder verlassen. Die Zuwanderung der letzten Jahre sei „für den Fortbestand des Wohlstandes in unserem Land gefährlich“, denn die „vielen Mindestsicherungsbezieher werden unsere Pensionen nicht zahlen“. „Wir müssen das Ruder herumreißen. Es ist unser Land, und wir werden es verteidigen“, so Hofer, der wie bei der Bundespräsidentenwahl 2016 „auch heute spürte, dass wieder ein Ruck durch das Land geht“. „Wir können sagen, die FPÖ ist wieder da“, so Hofer, dessen Rede immer wieder von Sprechhören von Gegendemonstranten gestört wurde.


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