Hoffen in Tirol: Sperrstunde nach Wien-Wahl um 23 Uhr?

Die Debatte um die Sperrstunde ist voll entbrannt. Wirte fordern ein Abgehen von der 22-Uhr-Regelung in Tirol, der Bund könnte 23 Uhr generell vorgeben.

Die Gastronomie kann die Vorverlegung der Sperrstunde in Tirol nicht nachvollziehen, es gibt massive Kritik.
© Vanessa Rachlé/TT

Innsbruck – Die Proteste aus den grünen Ampelbezirken Osttirol und Außerfern sind seit Tagen unüberhörbar, auch in der Tiroler Volkspartei. Die Wirte protestieren lautstark gegen die in Tirol, Vorarlberg und Salzburg auf 22 Uhr vorverlegte Sperrstunde in der Gastronomie. In Salzburg und Vorarlberg wurden die Hotelbars zwischenzeitlich davon ausgenommen, dort dürfen Übernachtungsgäste bis 01.00 Uhr bewirtet werden.

Vorarlberg will jedenfalls an der Sperrstunde um 22 Uhr vorerst festhalten, in Tirol wird Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) am 16. Oktober analysieren, ob die Vorverlegung etwas gebracht hat. Das Dilemma ist allerdings groß, weil die Zahl der positiv Getesteten in Tirol ansteigt. Hotspots sind jedoch nicht Lokale, sondern sehr viele Fälle gehen aktuell auf Ansteckungen innerhalb des eigenen Haushaltes oder der Familie zurück. Außerdem wird die FPÖ im kommenden Landtag in der nächsten Woche einen Dringlichkeitsantrag gegen die Sperrstundenvorverlegung einbringen.

„Jetzt müssen die ÖVP-Touristiker wie der Obmann der Sparte Tourismus in der Wirtschaftskammer, Mario Gerber, und die Abgeordneten des Wirtschaftsbundes Farbe bekennen, auf welcher Seite sie wirklich stehen“, betont der freiheitliche FPÖ-Vorsitzende und Klubobmann Markus Abwerzger. Enttäuscht ist er auch über das Treffen von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Kurz sei mit leeren Händen und ohne Perspektiven aus den Gesprächen gegangen, „die Tiroler werden weiterhin als Bürger dritter Klasse behandelt“.

Doch wie umgehen mit der Sperrstunde? Nicht nur in Tirol, auch im Bund laufen derzeit die Telefone heiß. Tirol will den gemeinsamen Kurs der Westachse nicht verlassen, Ausnahmen für Beherbergungsbetriebe soll es ebenfalls keine geben. Andererseits will Landeshauptmann Platter die ohnehin schwer angeschlagene Gastronomie nicht noch mehr verärgern. Zugleich gibt es im Bund Überlegungen, nach der heutigen Wien-Wahl eine bundesweite Sperrstunde um 23 Uhr vorzuschlagen. Das käme Tirol sehr gelegen, man wäre sozusagen aus dem Schneider.

Offenbar werden im Hintergrund zahlreiche Gespräche über eine österreichweite Vorverlegung der Sperrstunde geführt. Als notwendig wird in Tirol auch eine verpflichtende Registrierung angesehen, um die Kontaktnachverfolgung zu erleichtern. Doch die dürfte rechtlich sehr schwer umzusetzen sein. Ob jene in Wien hält, darüber gibt es Zweifel. Jedenfalls könnte sich nächste Woche für die Gastronomie etwas bewegen. (pn)


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