Kärnten feiert 100 Jahre Volksabstimmung mit Versöhnung

Der slowenische Präsident Borut Pahor ist am Samstag zur Teilnahme am Festakt zum 100. Jahrestag der Kärntner Volksabstimmung in Klagenfurt eingetroffen. Bundespräsident Alexander Van der Bellen und der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) empfingen das Staatsoberhaupt des südlichen Nachbarlandes mit militärischen Ehren. Pahor ist der erste Spitzenvertreter Sloweniens, der an den Kärntner Volksabstimmungsfeiern teilnimmt.

Die drei Spitzenpolitiker schritten gemeinsam die Ehrengarde des Bundesheeres ab. Nach dem Abspielen der beiden Hymnen sang ein Chor im Landhaushof auch die inoffizielle Hymne der Kärntner Slowenen, „Roz, Podjuna, Zila“. Bei der Volksabstimmung am 10. Oktober 1920 hatte sich damals überwiegend slowenischsprachige Südkärnten mit deutlicher Mehrheit für die Angliederung an Österreich entschieden. Die Abstimmungszone, die bis knapp vor Villach und Klagenfurt reichte und auch die südliche Hälfte des Wörthersees umfasste, war nach dem Ersten Weltkrieg von Truppen des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen besetzt worden. Die Kärntner Landesregierung beschloss daraufhin den bewaffneten Widerstand, im sogenannten Kärntner Abwehrkampf starben mehr als 400 Menschen, der Großteil davon auf österreichischer Seite.

Van der Bellen und Pahor wollen mit ihrer gemeinsamen Feier ein Zeichen der Versöhnung und für grenzüberschreitende Zusammenarbeit setzen. Zur Feier im Wappensaal des Kärntner Landhauses werden coronabedingt nur 130 Festgäste zugelassen, gut 100 weitere Gäste sollen sie über eine Videowand im Landhaushof verfolgen können. Neben den beiden Präsidenten und dem Landeshauptmann sollte bei der Feier auch der Vorsitzende des Zentralverbandes slowenischer Organisationen, Manuel Jug, als Vertreter der Kärntner Slowenen sprechen. Es waren zudem Grußworte von Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) und Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) geplant. Die Bundesregierung wurde beim Festakt auch durch ihr einziges Kärntner Mitglied, Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), vertreten.

Die beiden Präsidenten wollten am Nachmittag eine zweisprachige Skulptur des Künstlers Thomas Hoke im Amt der Kärntner Landesregierung einweihen sowie einen zweisprachigen Kindergarten in Klagenfurt eröffnen. Zum Abschluss der bilateralen Feier wollten Raab und die slowenische Ministerin für Auslandsslowenen, Helena Jaklitsch, in der zweisprachigen Gemeinde St. Jakob im Rosental/Sentjakob v Rozu an einer lokalen Gedenkfeier teilnehmen. Der Gemeinderat der Marktgemeinde hatte jüngst beschlossen, in allen 22 Orten zweisprachige Ortstafeln aufzustellen.

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Van der Bellen war bereits am Freitagnachmittag nach Klagenfurt gekommen, wo er den früheren Chef des Kärntner Heimatdienstes, Josef Feldner, und den Ex-Chef des Zentralverbandes slowenischer Organisationen, Marjan Sturm, zu einem Gespräch empfing. Als Initiatoren der Konsensgruppe hatten die beiden früheren erbitterten Gegner einen wesentlichen Beitrag zur Lösung des Ortstafelkonflikts geleistet. Außerdem sprach der Bundespräsident mit dem Kärntner Bischof Josef Marketz und dem evangelischen Superintendenden Manfred Sauer, die am Samstag in der Früh im Klagenfurter Dom einen ökumenischen Gottesdienst zelebrierten.

Zum 100. Jahrestag der Kärntner Volksabstimmung äußerte sich indes auch das slowenische Außenministerium. In einer Aussendung würdigte es „das veränderte Klima“ in Kärnten und die vor neun Jahren gefundene Ortstafellösung. „Trotzdem sind einige Verpflichtungen (Österreich gegenüber den Kärntner Slowenen, Anm.) weiterhin unerfüllt“, hieß es mit Blick auf Artikel 7 des österreichischen Staatsvertrags. Slowenien würdige die im Programm der türkis-grünen Bundesregierung festgelegten Ziele und rufe zu einem umfassenden Dialog mit der Volksgruppe und der ehebaldigen „vollen Umsetzung“ auf.

Auch innerhalb der slowenischen Volksgruppe sind die Volksabstimmungsfeiern weiterhin umstritten. Erst vor 25 Jahren hatte erstmals ein Vertreter der Minderheit bei der alljährlichen Festsitzung im Wappensaal das Wort ergreifen dürfen. Für Samstagnachmittag planen Vertreter der Kärntner slowenischen Jugend einen Protest vor dem Klagenfurter Hauptbahnhof, unweit des Slomšek-Hauses, wo Pahor und Van der Bellen gemeinsam einen zweisprachigen Kindergarten eröffnen wollen.


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