Spekulationen über „Lockdown light“ - 896 Neuinfektionen

Dass es aufgrund der Coronakrise in diesem Herbst zu einem zweiten Lockdown kommen könnte, ist für Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) kaum denkbar. „Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen“, sagte er am Sonntag in der ORF-Sendung „Hohes Haus“. In den Medien wird unterdessen über einen „Lockdown light“ spekuliert. Mit 896 Neuinfektionen gab es am Sonntag einen neuen Spitzenwert.

Die gesetzlichen Vorgaben für einen Lockdown seien mittlerweile sehr restriktiv, erklärte Anschober. Nur vor einem flächendeckenden Zusammenbruch des Gesundheitssystems wäre dies möglich. „Davon sind wir Gott sei Dank meilenweit entfernt“, sagte er.

Man arbeite mit aller Kraft daran, dass es nicht dazu kommen werde, denn dies wäre katastrophal für die Wirtschaft. Er sei optimistisch, dass man das auch schaffe, so der Minister. Der Schwerpunkt liege nun bei regionalen Maßnahmen, die aufgrund des novellierten Covid-Gesetzes möglich seien. Man wolle das konkrete Ausbruchsgeschehen punktgenau treffen.

Welche bundesweiten Maßnahmen er für den Fall des Falles in der Schublade hätte, wie er sie bereits am Freitag angedeutet hatte, wollte Anschober nicht sagen: „Da würden wir die Bevölkerung absichtlich verwirren.“ Dass die Behörden entsprechende Überlegungen anstellten, verteidigte er aber als „höchst professionell“. Für den bevorstehenden Winter zeigte sich der Gesundheitsminister optimistisch: „Ich bin durchaus zuversichtlich, dass wir fröhliche Weihnachten erleben können.“

In den Medien wurde indes zumindest über einen „Lockdown light“ etwa mit verlängerten Herbstferien spekuliert. Befeuert wurde dies durch die „Zeit im Bild“ des ORF Samstagabend, in der Innenpolitikchef Hans Bürger von Konzepten der Regierung für einen zwei- bis dreiwöchigen „weichen“ Lockdown ab 2. oder 16. November sprach, mit Ausgangsbeschränkungen oder früheren Sperrstunden. In Regierungskreisen gab es keinerlei Bestätigung dafür. Es herrsche Rätselraten darüber, worauf diese Behauptung beruhe, war zu hören. Im ORF kommentierte man dies knapp: „Hans Bürger skizzierte in seiner Analyse mögliche Szenarien“, hieß es in einer Stellungnahme auf APA-Anfrage.

Nachdem an vier Tagen hintereinander die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen in Österreich über 1.000 lag, meldeten Innen- und Gesundheitsministerium am Sonntag 896 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden (Stand: Sonntag, 9.30 Uhr). Allerdings ist das der bisher höchste Wert, der an einem Sonntag gemessen wurde. In der Woche davor waren es 714 und zuvor 662 Neuinfektionen in der Zeit von Samstag auf Sonntag.

In den vergangenen 24 Stunden wurden 13.816 PCR-Tests in ganz Österreich eingemeldet. In den Tagen zuvor waren das täglich um rund 6.000 Tests mehr. Gestiegen ist auch die Zahl der aktiv infizierten Menschen in Österreich. Derzeit tragen 11.020 Menschen SARS-CoV-2 in sich. 43.448 haben sich seit Ausbruch der Pandemie von einer Infektion wieder erholt. Bisher wurden 55.319 Menschen in Österreich mit dem Coronavirus infiziert.

Eine Zunahme gab es auch bei der Zahl der Hospitalisierten. Derzeit werden 527 im Krankenhaus wegen Covid-19 behandelt, am Tag zuvor waren es noch 509 Menschen. 96 davon lagen auf der Intensivstation, am Samstag wurden noch 99 intensivmedizinisch behandelt.

Die stärkste Zunahme an Neuinfizierten hatte erneut Wien mit 295 Fällen bei 3.992 eingemeldeten Tests. Am Samstag wurden 511 Neuinfektionen gezählt, allerdings wurden auch deutlich mehr Tests eingemeldet, nämlich exakt 6.000. In Oberösterreich gab es 179 Neuinfektionen, in Tirol 134, in Salzburg 96, in der Steiermark 49, in Kärnten 48, in Niederösterreich 34, im Burgenland 32 und in Vorarlberg 29.

Ein neuer Corona-Cluster hat sich in einem Seniorenzentrum in Maria Enzersdorf (Bezirk Mödling) gebildet. Nach Angaben aus dem Büro von Niederösterreichs Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) vom Sonntag wurden 31 Fälle verzeichnet. Ans Licht kamen die Infektionen einem Sprecher zufolge, nachdem in der Einrichtung Antigentests durchgeführt worden waren. Im Anschluss daran seien schließlich PCR-Tests vorgenommen worden.

Bewohner und Belegschaft des Zentrums sollen nun erneut untersucht werden. Für die betroffenen Stationen des Seniorenheims galt ein Besuchsverbot.


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