Die Auswirkungen der Wien-Wahl: Rendi-Wagner und Hofer in Bedrängnis

SPÖ-Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner und Bürgermeister Michael Ludwig.
© APA/Jobst

Von Michael Sprenger

Wien – In der Bundesregierung löst das Wiener Wahlergebnis einmal keinerlei Nervosität aus. Die Kanzlerpartei konnte in Wien, ausgehend von einem historischen Tiefststand, kräftig zulegen. Auch der Juniorpartner der ÖVP, die Grünen, kann auf ein Plus verweisen. Also ist auf dieser Ebene – trotz des tiefen Grabens zwischen ÖVP und Grünen in der Flüchtlingspolitik – keine Debatte zu erwarten.

Auf der Personalebene könnte es hingegen bei der FPÖ und in weiterer Folge bei der SPÖ unruhiger werden. Bei der FPÖ wird der massive Verlust in Wien interne Debatten auslösen. Und dabei wird auch Parteiobmann Norbert Hofer nicht sakrosankt sein. Allerdings dürfte diese Debatte nicht befeuert werden, wenn weder Klubobmann Herbert Kickl noch der oberösterreichische FPÖ-Chef Manfred Haimbuchner dies betreiben. Dafür gibt es gegenwärtig keinen Hinweis. Für das kommende Jahr – auch im Vorfeld der Wahlen in Oberösterreich – ist dies aber nicht auszuschließen.

Dies gilt auch so bei der SPÖ. Es ist ein Paradoxon der langjährigen roten Kanzlerpartei, dass selbst ein Erfolg an Wahltagen eine Debatte über die Zukunft der Parteivorsitzenden Pamela Rendi-Wagner anheizen kann. Denn mit dem Wahlerfolg vom Sonntag hat die Macht von Michael Ludwig in der Partei massiv zugenommen. Und Ludwig war schon in der Vergangenheit keiner, der sich hinter Rendi-Wagner gestellt hat.

Die Parteivorsitzende kann zwar darauf bauen, dass es keine logische Nachfolgerin, keinen logischen Nachfolger für die Parteispitze gibt, aber das ist kein Polster, auf dem sie sich ausrasten kann. Rendi-Wagner hat nicht mehr lang Zeit: Sie muss die Partei endlich aus dem Umfragetief führen und die Parteizentrale neu aufstellen.

Zweiteres sollte sie in Absprache mit dem Wiener Bürgermeister umsetzen. Macht sie das nicht, wird kommendes Jahr unweigerlich eine Debatte auf sie zukommen, die sie nicht länger aussitzen kann.


Kommentieren


Schlagworte