Weltcup-Pistenchef Grüner: „Wir haben heuer in Sölden eine Vorreiterrolle“

Der ehemalige Ski-Freestyler Isidor Grüner (44) sieht beim Ski-Weltcup in Sölden nach dem Rechten. Der Pistenchef blickt entspannt voraus.

Ein zigfach überarbeitetes und perfektioniertes Corona-Prinzip, genug Schnee: Pistenchef Isidor Grüner muss sich keine Sorgen machen.
© gepa

Am Wochenende geht die alpine Ski-Weltcupsaison in Sölden los. Wie laufen die Vorbereitungen?

Isidor Grüner: Wir sind im Prinzip fertig. Die Voraussetzungen in den letzten zwei Wochen waren mit Kälte und Schneefall sehr gut. Wir haben einen dicken Stock Schnee auf der gesamten Piste, es ist so weit alles auf Schiene.

Haben Sie Tirols Corona-Zahlen im Blick?

Grüner: Nein, das schaue ich mir nicht an. Das hat mich hier auf dem Gletscher auch weniger zu interessieren. Wir sind natürlich immer in Kontakt mit Ärzten und Behörden, um zu wissen, was wir am besten machen, damit wir uns alle gut schützen und wir keine Infektionskette auslösen. Wir haben vor einem halben Jahr ein Konzept ausgearbeitet, das immer wieder ergänzt und erneuert wurde. Wir setzten die Maßnahmen, dass eben kein Publikumsskilauf stattfindet. Jeder, der hier am Gletscher ist, hat einen negativen Test vorzuweisen, der geht dann in Arbeitsquarantäne. Abstände sind einzuhalten. Es gibt eigene Verpflegungsstationen, gearbeitet wird in Kleingruppen, Mund-Nasen-Schutz ist verpflichtend und, und, und. Ich glaube, dass wir das Bestmögliche tun.

Es klingt, als ob Sie das zuletzt häufig aufgezählt haben.

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Grüner: Ja, genau. Natürlich ist alles außergewöhnlich, aber wenn man sich bereits ein halbes Jahr damit beschäftigt, was passieren kann und was getan werden muss, dann radelt man das wirklich irgendwann runter, weil es einfach tägliches Brot ist. Wir haben Videokonferenzen, Sitzungen vor Ort. Ich war im Ministerium in Wien, um direkt unsere Anliegen vorzubringen. Wir sind einfach die erste große Wintersportveranstaltung in Corona-Zeiten.

Viele blicken deshalb auch gespannt ins Ötztal.

Grüner: Wir haben heuer eine Vorreiterrolle und sind uns dieser auch bewusst. Viele Organisatoren kommen zu uns, um sich das alles anzuschauen. Mit denen bin ich regelmäßig in Kontakt. Wie macht ihr dies, wie macht ihr das? Wir haben leider niemanden gehabt, der uns das einsagen hat können. Aber ich glaube, wir sind gut vorbereitet, werden alles entsprechend umsetzen. Und hoffentlich geht es gut aus.

War es je ein Thema, das Rennen abzusagen, weil der Aufwand enorm ist?

Grüner: Der Aufwand ist enorm, immer noch. Wenn man hier am Gletscher kein Publikum hat und auch keine Konsumenten, dann ist das natürlich ein Minusgeschäft. Aber wir waren einfach der Meinung, dass wir ein positives Signal in die Welt rausschicken wollen. Skifahren ist eine Freiluftsportart. Man bewegt sich in der Natur, da kann man den Abstand halten, da hat man frische Luft. Man kann sich also eigentlich nicht infizieren, wenn man gewisse Regeln einhält. Das ist unser Motivator. Wir haben Covid-Maßnahmen, Corona ist natürlich das tägliche Thema. Aber mit ein paar Regeln ist das alles hier auch möglich.

Skirennen und Après-Ski bei den Fans – zumindest was die Rennen in Österreich betrifft, liegt das doch nahe beieinander.

Grüner: Das Einzige, was hier verbindet, ist das Wort Ski. Athleten habe ich beim Après-Ski auch noch nie angetroffen. Das ist eine andere Sache und es ist allen bewusst, dass wir heuer vieles nicht haben werden: Menschentrauben und Leute, die eng aneinandergedrängt feiern und singen. Auf einer Terrasse mit Freunden ein Bier zu trinken, wird wohl möglich sein, das andere nicht. Das ist uns klar. Wir haben auch mit den Lokalbetreibern Sitzungen gehabt und sie haben volles Verständnis. Einige öffnen nicht, andere stellen um auf Restaurantbetrieb oder machen Limitierungen. Jedem ist die Lage bewusst, dass es nicht so funktionieren kann wie in den letzten Jahren.

Was passiert bei der Meldung eines Verdachtsfalls?

Grüner: Wir haben einen so genannten Single-Point of Contact, einen zentralen Punkt beim Rennbüro. Jeder, der eine Akkreditierung hat, kann sich dort melden, sich informieren und bei einem Verdacht Kontakt aufnehmen. Dafür haben wir ein eigens abgestelltes Team der Rettung, das übernimmt. Eine möglicherweise infizierte Person kann isoliert werden, wofür es eigene Räume am Gletscher und im Dorf gibt. Ein eigener Labortrakt steht zur Verfügung, sodass wir in ein bis zwei Stunden ein Ergebnis haben. Es ist also alles komplett durchstrukturiert.

Gibt es auch am Start bei den Läufern Maßnahmen?

Grüner: Auf jeden Fall. Überall. Es gibt etwa gesonderte Eingänge für Läufer, Betreuer, Medien und die Mitarbeiter, um selbst dort zu separieren. Auch beim Weltcup-Start am Gletscher selbst steht ein Desinfektionsständer. Und natürlich betreiben wir Contact-Tracing, um die Wege eines jeden nachzuvollziehen, damit im Falle des Falles der Personenkreis ermittelt werden kann.

Das Gespräch führte Sabine Hochschwarzer


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