Bayerische Polizei: „Warten nicht am Berg, ob Tiroler rüberkraxeln“

Wer zurzeit von Tirol nach Deutschland will, braucht einen negativen Corona-Test und ein ärztliches Zeugnis. Kontrolliert wird aber selten.

Einkaufen, wandern oder jemanden besuchen in Bayern? Für Tiroler – Stichwort „Risikogebiet“ – theoretisch auch zurzeit möglich. Medizinische Gutachten sind dafür aber Voraussetzung.
© TT/ Böhm

Von Jasmine Hrdina

Kufstein, Rosenheim – Die Grenzen zu Deutschland sind offen. Da sind sich Behörden- und Polizeisprecher im Nachbarland einig. Bei Fragen darüber hinaus wird aber schnell klar: Einen Durchblick bei den Einreisebestimmungen hat niemand mehr.

Seit Deutschland am 25. September Tirol zum Risikogebiet erklärt hat, ist die Verunsicherung hierzulande groß – nicht nur auf Tourismusseite. Zahlreiche TT-Leser wandten sich in den vergangenen Wochen an die Redaktion. Darf ich zum Einkaufen über die Grenze? Wann darf ich mein bayerisches Gspusi wieder besuchen? War mein Gipfelsieg auf deutschem Staatsgebiet am Wochenende etwa illegal?

Eines vorweg: Einem gesunden Menschen kann auch das Virus den Obatzten mit Breze und Maß Bier bei den Nachbarn momentan (!) nicht verwehren. Abstand, Maske und geltende Gesetze vorausgesetzt, ebenso wie ein negativer PCR-Test – nicht älter als 48 Stunden. Andernfalls müsste man sich umgehend nach dem Grenzübertritt für zwei Wochen in Quarantäne begeben. Ausnahmen gibt es bekanntermaßen u. a. im Bereich Transit, Berufspendler oder medizinische Gründe. „Zusätzlich braucht es ein ärztliches Zeugnis, das festhält, dass man symptomlos ist“, erklärt Michael Fischer, Pressesprecher des Landkreises Rosenheim im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. Wer das hat, dem stehe es frei, einkaufen zu gehen, Liebschaften zu besuchen oder auf Almen auf deutschem Staatsgebiet zu wandern.

Nur: Kontrolliert wird das selten. „Wir stehen nicht am Berg und warten, ob ein Tiroler herüberkraxelt“, schickt Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, voraus. Kommt es aber zu einem Unfall, müssten Tiroler ohne die notwendigen medizinischen Gutachten mit einer Anzeige rechnen. Das gelte auch abseits der Berge. Erwischt werden kann man immer – auch beim Einkaufen. Die Exekutive suche zwar nicht dezidiert nach Tiroler Kfz-Kennzeichen vor den Geschäften, doch man halte immer wieder Nachschau, ob Maskenpflicht, Abstand und Co. eingehalten werden. Personenkontrollen inklusive.

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An den Grenzen zurückgewiesen werde niemand, versichert Rainer Scharf, Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion Rosenheim. Man sei für illegale Migration, Drogen- und Waffenhandel zuständig, nicht für Corona. „Wir können ja nicht überprüfen, ob sich die Person danach nicht in Quarantäne begibt.“ Weise ein Fahrzeuginsasse sichtliche Symptome auf, werde man das dem Gesundheitsamt melden und auf die Corona-Regelungen hinweisen.

Tiroler sollen sich bei der Corona-Hotline der bayerischen Staatsregierung (Tel. 0049/89122220) informieren, empfiehlt die Polizei. Falls man durchkommt. Gestern Nachmittag endeten vier Versuche nach Minuten in der Warteschleife automatisch. Offenbar sind nicht nur die Grenzen offen – sondern auch noch ganz viele Fragen.


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