Eintauchen in das Mittelalter: Wanderung von Varone zum Tennosee

Eine Wanderung, die mehr bietet als nur reines Gehen? Der TT-Tourentipp entführt diesmal an den nördlichen Gardasee – von Varone aus ging es zum Tennosee, viel Geschichte und Natur inklusive.

Ein Großteil der Wanderung verläuft auf schmalen Wegen durch Oliven- und Obsthaine.
© Rapp

Von Irene Rapp

Riva del Garda – Vergangene Woche waren wir am nördlichen Gardasee und entschieden uns für eine ganz besondere Wanderung: Wir starteten in Varone, einem Ortsteil von Riva del Garda, und wanderten von dort aus durch Olivenhaine und ausgestorbene Dörfer hinauf zum Tennosee. Eine gemütliche Tour, die aber trotzdem jede Menge Highlights liefert. Genügend Zeit sollte also eingeplant werden, um in Ruhe zu schauen und die Umgebung zu genießen.

So kommt man hin: Von Riva del Garda bzw. Arco aus den Wegweisern nach Varone folgen. Wir haben unser Auto in der Via Venezia in Varone auf einem öffentlichen, kostenfreien Parkplatz abgestellt. Zunächst den Wegweisern zum Parco Grotta Cascata Varone folgen. Dabei handelt es sich um einen wirklich beeindruckenden Wasserfall, der in einer höhlenartigen Schlucht an die 100 Meter in die Tiefe stürzt. Unzählige Stufen führen zu dem Naturschauspiel, Regenschutz nicht vergessen (Eintritt für Erwachsene 6 Euro). Das Wasser stammt übrigens von einem teils unterirdisch verlaufenden Fluss, der aus der Nähe des Tennosees kommt, dem Ziel unserer Wanderung. Dazu gehen wir die Straße vom Wasserfall in Richtung Tenno weiter, vor der geschlossenen Albergo La Rocchetta biegen wir dann links auf einen Steig (Wegweiser Sentiero di Gola Tenno) in terrassenförmig angelegte Olivenhaine ein. Steil geht es hinauf, noch immer hört man das Rauschen des Wasserfalls.

In Calvola hat man einen schönen Blick auf den Gardasee.
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Einmal quert man eine kleine Straße, dann in Cologna auf 235 Metern wieder dem Wegweiser Richtung Tenno/Frassati folgen. Beschaulich geht es so hinauf, wir nähern uns einem kleinen Einschnitt in der Landschaft, durch die man hinauf nach Tenno kommt.

Tenno ist eine kleine, weit verstreute Gemeinde, gleich zu Beginn erwartet einen linkerhand das mächtige Castello di Tenno. Das kann man leider nicht besichtigen, da es sich in privater Hand befindet. Gleich anschließend lockt jedoch Frapporta. Dabei handelt es sich um einige Häuser, die früher mit der Burg einen Wehrkomplex bildeten – wenn man durch eines der Tore in die Siedlung geht, fühlt man sich dementsprechend um Jahrhunderte zurückversetzt.

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Einige Menschen wohnen hier noch, zahlreiche Häuser scheinen jedoch leerzustehen. Ein friedliches Plätzchen befindet sich ein wenig außerhalb von Frapporta: Von der romanischen Kirche San Lorenzo aus (Wegweiser im Dorf) hat man einen tollen Blick auf den Gardasee. Weiter geht es, indem man zurück zur Burg wandert und der Straße taleinwärts folgt. Man geht rechts auf einer kleinen Straße an einer Apotheke vorbei und im alten Ortskern von Tenno bis zu einem schönen Platz mit Brunnen. Noch einige Meter geradeaus weiter und dann biegt man rechts in einen Hohlweg ein (Wegweiser Calvola).

Das Dörfchen Canale – ein Trip ins Mittelalter.
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Wieder geht es steil bergauf über terrassenförmig angelegte Oliven- und Obsthaine. Gemütlich und ruhig ist es hier, nach rund 30 Minuten erreicht man Calvola (626 m), einen weiteren Ortsteil von Tenno.

Uralte, graue Häuser und eine Kirche schmiegen sich an den Hang von Calino, dass hier fleißig renoviert wird, ist sichtbar. Bei einem Brunnen geht es dann geradeaus weiter und auf einer kleinen Straße hinab. Der nächste Höhepunkt der Wanderung ist in rund 20 Minuten erreichbar und hier sollte man sich wirklich Zeit nehmen. Bei einem Wegweiser (Borgo Medievale di Canale) biegt man rechts ab und erreicht nach wenigen Metern das mittelalterliche Dorf Canale (600 m): kein Hollywood-Nachbau, denn das könnte man auf den ersten Blick meinen, sondern eine Ansammlung von jahrhundertealten Häusern, die zum Glück nicht abgerissen worden sind.

Durch enge, gepflasterte Gässchen geht es zu kleinen Innenhöfen bis zum Künstlerhaus – dem Casa degli Artisti. In den Nachkriegsjahren wurde Canale verlassen, in den 60er- Jahren dann vorsichtig wiederbelebt. Man fühlt sich hier jedenfalls wie in einer anderen Zeit und hat das Gefühl, dass jeden Moment ein Mensch aus längst vergessenen Zeiten um die Ecke biegt. Auf jeden Fall ist es kein Wunder, dass Canale erst unlängst in die Liste der schönsten Ortschaften Italiens aufgenommen worden ist.

Der türkisfarbene Tennosee.
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Mitten im Dorf befindet sich dann auch der Wegweiser zum Lago di Tenno. Auf einem gemütlichen Weg geht es nun noch einmal rund 20 Minuten Richtung Norden taleinwärts und dann hat man auch schon den auf 570 Metern Seehöhe idyllisch platzierten, türkisfarbenen See inmitten bewaldeter Berge erreicht. Um das überschaubare Gewässer führt ein kleiner Steig, in der Mitte befindet sich eine Mini-Insel. Die Höhe des Tennosees variiert je nach Niederschlag, ist er sehr nieder, soll sogar eine zweite, kleine Insel auftauchen.

Zurück geht es dann am selben Weg und am Abend genossen wir in einem Restaurant in Tenno das in dieser Region bekannte Carne Salada: Dabei handelt es sich um dünn geschnittenes Rindfleisch, das in einer Mischung aus Salz und Gewürzen lange reifen darf. Wir genossen es roh, als Abschluss eines schönen Tages.

© TT

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