Kommt eine Meise geflogen: Vogelverhalten in Innsbruck untersucht

Um das Wanderverhalten von Kohl- und Blaumeisen zu untersuchen, werden derzeit Feldversuche im Großraum Innsbruck durchgeführt. Beobachtungen sind erwünscht.

Projektleiterin Marion Chatelain untersucht die kleinen Vögel.
© Rachlé/TT

Von Manuel Lutz

Innsbruck – Es hört sich wie das freundliche Gezwitscher von mehreren Vögeln an. Allerdings ist es ein artspezifischer Warnruf vom Band, durch den Kohl- und Blaumeisen angelockt werden. Denn die beiden Arten kommen üblicherweise näher, um die vermeintliche Gefahr zu sehen und im Blick zu haben. Schon ist eine Blaumeise in ein aufgespanntes Netz geflogen und schafft es nicht mehr, herauszukommen.

Wer derzeit solche Szenen in Innsbruck und den angrenzenden Gemeinden beobachtet, muss sich jedoch keine Sorgen machen. Denn es handelt sich nicht um Vogelfänger, sondern um Forscher vom Institut für Zoologie der Uni Innsbruck.

Im Netz werden die Meisen gefangen.
© Rachlé/TT

Mit dem Projekt wollen sie den Einfluss der zunehmenden Urbanisierung auf das Wanderverhalten von Kohl- und Blaumeisen – speziell in den Wintermonaten und zur Brutzeit – untersuchen. Denn in den nächsten zehn Jahren soll sich die Fläche von Städten weltweit verdreifachen. „Kohl- und Blaumeisen sind beliebte Modellorganismen, um den Einfluss von Städten auf ökologische und evolutionäre Prozesse bei wild lebenden Tieren zu analysieren“, sagt Projektleiterin Marion Chatelain.

Danach gibt es verschiedene Untersuchungen sowie Messungen, die Rückschlüsse auf den Gesamtzustand des Vogels zulassen.
© Rachlé/TT

Nachdem die Vögel gefangen worden sind, werden sie genau untersucht und Proben genommen. Kotproben z. B. geben Aufschluss über die Futterquellen. Das Gefieder wiederum gibt je nach Schwermetallbelastung Rückschlüsse, ob der Vogel mehr in Städten oder im ländlichen Raum lebt. Am Ende werden die Vögel noch mit drei bunten Ringen an den Beinen ausgestattet – so kann man sie wiedererkennen: „Es gibt mehr als 700 verschiedene Ring-Kombinationen. Damit können wir genau sagen, welcher Vogel an welchem Tag um welche Uhrzeit untersucht wurde. Wir hoffen sehr, dass wir die Vögel dann irgendwann wieder sehen und so wissen, wohin es die Tiere gezogen hat“, erklärt die Französin.

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Ein Biss in den Finger (r.) ist nicht selten.
© Rachlé/TT

Nach maximal 20 Minuten sind die Tests abgeschlossen und die kleinen Vögel werden wieder freigelassen. „Die Zeitspanne ist so kurz wie möglich, damit die Tiere wenig gestresst sind“, erklärt die Forscherin.

Der Start für das Projekt erfolgte vergangenen Donnerstag an der Technik, bis nächsten August sind die Forscher unterwegs, bis zu 1000 Meisen sollen untersucht werden. Pro Standort bleiben zwei Stunden Zeit, dann geht es weiter. Um ein breites Spektrum zu bekommen, finden die Feldproben nämlich alle 500 Meter statt – sofern es möglich ist. „Am Flughafen können wir natürlich keine Vögel suchen. Die Vegetation muss passen.“

Die Kohlmeise.
© Marion Chatelain

Zudem wechseln sich die Regionen ab – damit es von jeder Zone zu jeder Jahreszeit Proben gibt. „Zur Brutzeit z. B. findet man wenige Vögel in einem Territorium. Zudem glauben wir, dass die Vögel sich im Winter eher in Städten aufhalten, da sie in Gärten und bei Menschen mehr Futter finden als im Wald. Im Sommer ist dies wieder umgekehrt“, so Chatelain.

Die Blaumeise.
© Marion Chatelain

Bei dem Vogel-Forschungsprojekt ist auch die Bevölkerung aufgerufen, mitzumachen. „Wer eine gekennzeichnete Meise sieht, soll bitte den Standort, also Adresse oder GPS-Koordinaten, sowie den Farbcode der Beringung direkt an mich schicken“, bittet Chatelain um Hilfe (marion.chatelain@uibk.ac.at). Erste Ergebnisse werden dann voraussichtlich im Herbst 2021 vorliegen.


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