Neue „Bremse“ für Lawinen über Arzler Alm steht

Die Schutzverbauungen auf der Arzler Alm sind nach einer Generalsanierung wieder voll intakt.

Beeindruckende Dimensionen haben die Bremsbauwerke auf der Arzler Alm, die 2019 von einer Lawine schwer beschädigt worden waren. Jetzt ist die Sanierung abgeschlossen. Die Rekultivierung der Weideflächen und die Wiederaufforstung von 25 Hektar an zerstörtem Wald laufen weiter.
© Domanig

Von Michael Domanig

Innsbruck – Kaum eine andere Großstadt ist derart von Lawinen bedroht wie Innsbruck. Besonders die Arzler-Alm-Lawine (die z. B. 1935 bis in den Siedlungsraum donnerte) und die Mühlauer-Klamm-Lawine bilden potenziell eine große Gefahr. Welche Gewalt die Arzler-Alm-Lawine entfalten kann, zeigte sich zuletzt im Jänner 2019, als eine Mischung aus Staub- und Nasslawine rund 25 Hektar Schutzwald zerstörte – darunter bis zu 200 Jahre (!) alte Fichten – und zugleich die bestehenden Lawinenbauwerke schwer beschädigte.

Diese keilförmigen Bremsverbauungen, die zusammen mit Bremsdämmen die Dynamik der Lawinen verlangsamen sollen, „wurden in den 1930er-Jahren errichtet und haben viel mitgemacht“, erklärt Josef Plank von der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV). Schließlich sei die Nordkette für extreme Neuschneemengen bekannt – und für Lawinen, die besonders viel Geröll und Baumstämme mitführen. „Ungewöhnlich an der 2019er-Lawine war, dass sie sich aus einem nur selten wirksamen Anbruch löste“, sagt der Experte.

Nach Begutachtung der Schäden im Sommer 2019 leitete die WLV eine sofortige Generalsanierung der Bremshöcker und -dämme ein: Auf der Stirnseite wurden sie mit Steinpflasterung versehen, seitlich wurde – mit Kunstfasern armierter – Spritzbeton aufgebracht. Ein Bremshöcker ist komplett neu. „Damit ist die Wirksamkeit der Lawinenverbauung wieder gegeben“, freut sich der ressortzuständige Vize-BM Hannes Anzengruber.

Die Wiederaufforstung habe mit städtischer Unterstützung schon im Sommer 2019 begonnen, ergänzt Andreas Wildauer, Amtsvorstand Wald und Natur bei der Stadt Innsbruck. Zuvor galt es, die gewaltigen Schadholzmengen gemeinsam mit über 70 Waldbesitzern rasch aufzuarbeiten. „Heuer haben wir im Randbereich schon über 10.000 neue Pflanzen gesetzt“, berichtet Waldaufseher Wolfgang Huber, bis 2022 will man das Aufforstungsprogramm abschließen.

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Auch die Rekultivierung der Weideflächen in diesem Bereich der Arzler Alm wurde im selben Zuge gleich mitgemacht. „Wir bekommen hier eine super Weidefläche dazu“, meint Stefan Erlacher, Vertreter der weideausübenden Betriebe und Mitglied in der Forsttagsatzungskommission. Zwei Weidesaisonen waren zuletzt ausgefallen.

Die Kosten für das Gesamtprojekt seien mit rund 600.000 Euro (von denen die Stadt ca. ein Drittel trägt) sogar etwas niedriger ausgefallen als kalkuliert, betont Plank, der, wie alle Beteiligten, die gute Zusammenarbeit lobt.

Für Wildauer ist eine Botschaft wichtig: „Der Bevölkerung muss bewusst sein, dass die Nordkette nicht nur ein Naherholungsraum ist. Zentral ist und bleibt der Schutz vor Naturgefahren.“


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