Leeres Geoforum in Umhausen voller Aktualität

Das 22. Geoforum Umhausen musste heuer wegen Corona abgesagt werden. Dabei wäre die interdisziplinäre Zusammenarbeit nach dem Murenabgang auf die Leckgalerie im hinteren Ötztal im Mittelpunkt gestanden.

Die Leckgalerie zwischen Sölden und Obergurgl war von einer Mure betroffen und musste verstärkt werden. Die Wasserversorgung Tirols mit Großquellen (r. o.) ist ebenso Thema im Tagungsband wie die Bohrungen der Uni Innsbruck im Fernsteinsee (r. u.).
© BBA Imst, Heißel, Universität Innsbruck

Von Alexander Paschinger

Umhausen – Corona macht auch vor dem Geoforum Umhausen nicht Halt: Erst musste schon im Vorfeld der traditionelle Abendvortrag für die Öffentlichkeit abgesagt werden. Ende September stand dann endgültig fest, dass die viel beachtete interdisziplinäre Veranstaltung, die heute und morgen stattfinden hätte sollen, überhaupt ausfallen muss. „Es war nicht nur für uns, sondern auch für die Wirtschaftstreibenden in Niederthai ein Schock. Das Geoforum war hier immerhin ein Fixpunkt Mitte Oktober“, bedauert Präsident Gunther Heißel die Absage.

Umsonst waren die Vorarbeiten der Vortragenden freilich nicht – der Tagungsband des 22. Geoforums ist nämlich bereits unter www.geoforum-umhausen.at abrufbar. Und einmal mehr bietet die knapp 140 Seiten starke Zusammenfassung Einblicke in höchst aktuelle Beispiele aus Praxis und Forschung rund um die Themen Geologie, Hydrologie, Naturgefahren oder auch die neuesten Techniken.

Was Naturereignisse betrifft, stand aus Tiroler Sicht heuer die Leckgalerie im hintersten Ötztal im Fokus. Im Mai hatte eine Mure den Lawinenschutzbau schwer beschädigt. „Dann hat man gesehen, wie binnen kürzester Zeit Geologen, Straßenexperten und Vermessungstechniker zusammenarbeiten“, so Heißel. Eine starke Schneeschmelze hatte eine Stelle, „die man bis dahin nicht dramatisch gesehen hatte“, labil gemacht. Obergurgl war nach der Corona-Quarantäne wieder für Wochen von Sölden aus nicht erreichbar. Drei Vorträge beschäftigen sich mit der Baustelle, den Maßnahmen und Erkenntnissen.

Die Methodik der geophysikalischen Untergrund-Untersuchungen wäre ebenfalls ein Schwerpunkt gewesen. „Es gibt verschiedene Arten, wie man bewegten von festem Untergrund unterscheiden kann – je nach Aufgabenstellung“, beschreibt Heißel einen anderen Beitrag.

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Die Wasserversorgung Tirols mit Großquellen (li.) ist ebenso Thema im Tagungsband wie die Bohrungen der Uni Innsbruck im Fernsteinsee.
© BBA Imst, Heißel, Universität Innsbruck

Trinkwasser ist ein Thema, das dem ehemaligen Landesgeologen Gunther Heißel besonders am Herzen liegt. Ein Referat beleuchtet 55 große Wasserschüttungen in Tirol. „Allein das Karwendel weist rund 40 Großquellen auf“, erklärt Heißel. Die größten von ihnen sind die Mühlauer Quellen mit durchschnittlichen Schüttungen von etwa 1200 Sekundenlitern für die Stadt Innsbruck. Aber es gibt auch einige ungenutzte große Quellen, die noch zum Rückgrat der Tiroler Wasserversorgung werden könnten.

Einen Blick zurück in die Geschichte machen wiederum Forscher der Universität Innsbruck: Im Vorjahr berichteten sie beim 21. Geoforum über das geologische Archiv der Tiroler Seesedimente. Dieses gibt auch über Erdbeben und Erdrutsche in vorgeschichtlicher Zeit Auskunft. Die neueste Arbeit der Forscher beschäftigte sich mit Fernstein- und Blindsee am Fernpass. Die Tiefbohrung am Fernsteinsee soll die Entstehung des Sees und seither vergangene geologische Extremereignisse ergründen.

Was das 23. Geoforum im kommenden Jahr betrifft, so „gibt es bereits einen Grundsatzbeschluss“, so Heißel.


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