Benötigte Hilfe für pflegebedürftige Tirolerin scheitert am Fördergeld

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Von Angela Dähling

Ramsau i. Z. – Seit ihrer Geburt wird eine 48-jährige schwerstbehinderte Tirolerin von ihren Eltern gepflegt. Sie sitzt im Rollstuhl, kann sich nicht bewegen, kann sich selbst nicht einmal kratzen. Pflegestufe 7 nennt man das im Amtsjargon. Die höchste Pflegestufe, die es gibt.

Die Eltern der Tirolerin sind inzwischen gebrechlich. Die Mutter hat starkes Rheuma, musste ins Krankenhaus. Der Vater versucht daher, die Tochter allein zu pflegen – lediglich morgens wird die Familie dabei wie schon seit Jahren vom Gesundheits- und Sozialsprengel unterstützt. Doch die Eltern sind inzwischen zu alt, um die Pflege allein zu stemmen. Die Familie braucht Hilfe, genauer gesagt eine 24-Stunden-Pflegekraft.

24-Stunden-Pflege für 3000 Euro

Birgit Platzgummer hat es sich zur beruflichen Aufgabe gemacht, pflegenden Angehörigen zu helfen, wenn es beispielsweise um Förderungen und Betreuungsangebote geht. Auch die besagte Tiroler Familie, die anonym bleiben will, hat sich an die Ramsauerin und ihr Unternehmen „Pflege-Hilfe-Organisation“ gewandt. Denn die 24-Stunden-Pflege für die 48-Jährige kostet um die 3000 Euro. „Geld, das die Eltern mit ihrer kleinen Rente nicht haben“, schildert Birgit Platzgummer.

Pflegegeldstufe 7 in Höhe von ca. 1600 Euro und Familienbeihilfe reichen nicht aus. „Und eine Pflegekraft wird vom Sozialministerium mit maximal 550 Euro gefördert. Es bleibt ein offener Betrag von 700 Euro für die Pflegekraft. Das können sich die Eltern nicht leisten“, schildert Platzgummer. Die Zillertalerin wollte um weitere Förderungen für ihre Klienten ansuchen. Beim Sozialministerium habe es geheißen, dass es keine zusätzlichen Förderungen gebe. „Man verwies mich an das Amt der Tiroler Landesregierung, dort hieß es am Ende auch, dass es leider keine weiteren Fördermittel gibt, und man schickte mich zur ­Bezirkshauptmannschaft“, schildert Platzgummer.

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Teurere Heimkosten werden gefördert

Die ernüchternde Bilanz: Weiteres Fördergeld für die Pflegekraft gibt es nirgends. Ein Heimplatz, der zirka 5000 Euro bei einer Patientin der Pflegestufe 7 kostet, werde allerdings gefördert. „Denn dann kann das Heim um Mindestsicherung ansuchen“, hat Platzgummer erfahren. Für sie sei das „ein Trauerspiel“ und der Fall ihrer Klienten nur einer von vielen, denen es ähnlich gehe.

Birgit Platzgummer kritisiert, dass der teurere Heim­platz durch Fördermittel unter gewissen Voraussetzungen gezahlt werden würde, für die günstigere Pflegekraft das indes nicht möglich sei. Die 48-jährige Frau, die ihr Lebtag zuhause gepflegt wurde, in ein Heim zu geben, kommt für die Eltern nicht in Frage. „Daran würden die Eltern als auch die Tochter emotional zugrunde gehen“, meint Birgit Platzgummer.

Die Eltern wollen jetzt so lange es irgendwie möglich ist, die Tochter allein weiter pflegen.


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