Neue Großdemo gegen Monarchie und Regierung in Bangkok

Tausende regierungskritische Demonstranten sind am Mittwoch in Thailand auf die Straße gegangen. Die Demokratiebewegung, die immer mehr Zulauf gewinnt, fordert den Rücktritt von Ministerpräsident Prayut Chan-o-cha und umfassende Reformen. Dabei geht es auch um die Rolle der Monarchie. Das Thema war in dem südostasiatischen Land lange ein Tabu. Das Besondere: König Maha Vajiralongkorn (Rama X.), der die meiste Zeit in Bayern lebt, ist derzeit selbst in Bangkok.

Im Laufe des Tages sollte der Regent auf dem Weg zu einer Zeremonie das Demokratiedenkmal im Zentrum der Hauptstadt passieren, an dem sich die Demonstranten versammelt haben. Deshalb wurden Zusammenstöße mit der Polizei befürchtet. Gleichzeitig säumten zahlreiche Anhänger des Königshauses die Straßen. Sie trugen gelbe T-Shirts, traditionell die Farbe der thailändischen Monarchie.

Der prominente Aktivist Anon Numpa rief die am Demokratie-Denkmal der thailändischen Hauptstadt versammelten Menschen dazu auf, ruhig zu bleiben. Nach Angaben der Behörden waren etwa 14.000 Polizisten im Einsatz. Am Vortag waren bei Protesten 21 Menschen festgenommen worden.

„Es wird Provokationen von der anderen Seite geben, also bitte vertrauen Sie mir - wir wollen mit niemandem aneinander geraten“, sagte Anon. Am Nachmittag sollte die Kolonne von König Maha Vajiralongkorn an den Demonstranten vorbeifahren. „Wenn die königliche Wagenkolonne eintrifft, äußern Sie keine Schimpfwörter“, warnte Anon.

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In Thailand wird Kritik am Königshaus mit drakonischen Strafen geahndet. Wer den Regenten beleidigt, riskiert in Thailand bis zu 15 Jahren Haft. Aber der König hat auch noch viele Anhänger.

Am Dienstag hatte es landesweit Gedenkfeiern für den vor vier Jahren gestorbenen König Bhumibol Adulyadej (Rama IX.) gegeben. Der beliebte Monarch wurde - anders als sein Sohn - noch fast gottgleich verehrt.

Die Bevölkerung ist gespalten, was ihren Regenten betrifft. Viele fordern die Änderung eines strengen Gesetzes zum Schutz der Monarchie:

Bei den Protesten geht es auch um die Regierung von Prayut Chan-o-cha. Der General ist seit einem Putsch des Militärs 2014 an der Macht. Die Demonstranten fordern nicht nur den Entwurf einer neuen Verfassung und Neuwahlen, sondern auch ein Ende der Einschüchterung von Bürgern und politischen Gegnern.

„Nieder mit der Diktatur. Es lebe die Demokratie!“, sangen die Demonstranten, während sie in Richtung Regierungssitz marschierten. Viele hatten im Vorfeld angekündigt, mehrere Tage lang im Zentrum Bangkoks kampieren zu wollen. Bereits am Dienstag waren mehrere Teilnehmer festgenommen worden, als sie ihre Zelte aufbauten.

Am Dienstag hatten Demonstranten eine zentrale Kreuzung rund um das Demokratie-Denkmal in Bangkok besetzt, die später von Polizisten geräumt wurde, damit eine Wagenkolonne des Königs passieren konnte. Einige Demonstranten widersetzten sich nach Polizeiangaben den Sicherheitskräften und wurden festgenommen.

Dutzende Demonstranten streckten der vorbeifahrenden Wagenkolonne drei Finger entgegen - die Geste ist der Filmreihe „Die Tribute von Panem“ entlehnt und ein Ausdruck des Protests pro-demokratischer Aktivisten. Nach den Festnahmen am Demokratie-Denkmal zogen etwa 300 Menschen zum Polizeipräsidium der Stadt, um die Freilassung der Aktivisten zu fordern.

Die teils von der Hongkonger Protestbewegung inspirierten Demonstranten fordern neben dem Rücktritt der Regierung auch die Abschaffung eines umstrittenen Gesetzes zum Schutz der Monarchie.

Thailand blickt auf eine konfliktreiche Geschichte zurück, in der es seit 1932 (als die konstitutionelle Monarchie eingeführt wurde) mehr als ein Dutzend Militärputsche gegeben hat. Der jüngste Militärputsch fand 2014 statt. Aus einer von Betrugsvorwürfen überschatteten Parlamentswahl ging dann im vergangenen Jahr Ex-Armeechef Prayut als Sieger hervor.


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