Neuer Aufwind als Tourenberg für aufgelassene Tiroler Skigebiete

Die Rauthhütte in Leutasch ist mittlerweile ein beliebtes Skitourenziel für Familien.
© Rapp

Innsbruck – Wenn ein kleines Skigebiet schließt, stehen Beherbergung und Gastronomie vor einer heiklen Situation. Wie weitermachen? So manch ein aufgelassenes Skigebiet in Tirol hat sich mittlerweile zu einem beliebten Skitourenziel entwickelt.

2006 etwa schloss das Skigebiet am Sattelberg im Wipptal. „Wir haben uns damals Sorgen gemacht und noch versucht, mit der Gemeinde einen Investor zu finden, es war vergeblich“, erzählt Luis Nagele, Wirt der Sattelbergalm.

Der Umsatz brach im ersten Jahr um zwei Drittel ein. Doch dann brachten neue Konzepte, ein Pistenbully für die Versorgung und der einsetzende Skitourenboom die Kehrtwende. „Ich bin auf der Alm aufgewachsen. Im Skigebiet waren an starken Tagen 700 bis 800 Leute. Jetzt zählen wir an Spitzentagen 400 bis 500 Tourengeher“, lautet das Resümee. Die Menschen suchen das Naturerlebnis. Bei guter Schneelage rechnet Nagele mit einem anhaltenden Skitourenboom, aber aufgrund der Corona-Pandemie auch mit einem Umsatzrückgang in der Hütte. Mit Blick auf Tirol kann er sich vorstellen, dass sich kleine Skigebiete als Kombinierer etablieren und Angebote für Skifahrer und Tourengeher entwickeln.

Auch für Andreas Rauth, Wirt der gleichnamigen Rauthhütte war die Schließung des Skigebiets 2004 ein Wendepunkt. „Ich dachte, das wird eine zache Partie.“ Es kam anders. Nach und nach entdeckten Tourengeher das Ziel, heute steuern es viele Familien an. Zumal es eine angefahrene Aufstiegsspur im freien Skiraum gebe. Früher sei der Parkplatz nie voll geworden, jetzt schon. „Unter den Tourengehern herrscht ein angenehmes Miteinander.“ Zum neuen Skitourenboom meint er: „Was der Einheimische macht, tut in zwei, drei Jahren auch der Gast.“ (strosa)


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