Erstmals drohen in Tirol rote Ampeln: Appelle, auf private Feiern zu verzichten

Aktuell blinkt die Corona-Ampel in vier Bezirken orange, heute könnte sie möglicherweise in Innsbruck, Schwaz oder Innsbruck-Land auf Rot geschaltet werden. Unabhängig davon soll es schärfere Maßnahmen geben.

Heute entscheidet die Ampel-Kommission, ob u. a. in Innsbruck ein sehr hohes Corona-Risiko besteht.
© Thomas Böhm

Von Peter Nindler und Anita Heubacher

Innsbruck, Wien – Wie soll die Politik rasch, aber angemessen auf die zuletzt doch deutlich steigende Zahl von Corona-Fällen reagieren? In Tirol wird ein zweiter Lockdown mit Ausgangssperren ausgeschlossen, für Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser (ÖVP) ist das nicht vorstellbar. Dennoch benötigt es weitere Beschränkungen, sind sich beide sicher. Schließlich drohen erstmals rote Ampel-Bezirke in Tirol. Heute tagt die Ampel-Kommission in Wien und wird neuerlich eine Risikobewertung vornehmen.

„Einen neuerlichen Lockdown wird es sicher nicht geben. Derzeit stimmen wir weitere Maßnahmen ab.“ LH Günther Platter (VP)
© Thomas Böhm

In der Landeshauptstadt Innsbruck, im Inntal mit Innsbruck-Land und Schwaz sind die Infektionszahlen in den vergangenen Tagen deutlich nach oben geschossen. Zuletzt gab es 80 Fälle in Innsbrucker Heimen, gleichzeitig poppen immer neue private Cluster auf. Positiv Getestete können insgesamt 204 Ansteckungsherden zugeordnet werden, doch 32 davon weisen weniger als zehn Infizierte auf. Ein Indiz dafür, dass nach wie vor der private Bereich eine Problemzone ist.

"Ich weiß, dass die Menschen nach den massiven sozialen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einschränkungen müde sind, aber auch die nächsten Monate bedeuten eine große Herausforderung", betont Landeshauptmann Günther Platter (VP). Doch sollte die Entwicklung anhalten, habe man wieder eine Situation wie im April, warnte Platter.

"Müssen Infektionszahlen dringend reduzieren"

Er und sein Parteikollege, Gesundheits-LR Bernhard Tilg, appellieren deshalb an die Eigenverantwortung der Tiroler, die privaten Zusammenkünfte und Feiern auf ein notwendiges Maß zu reduzieren. "Wir müssen die aktuellen Infektionszahlen dringend reduzieren, wie es durch entsprechende Maßnahmen bereits bei der Bewältigung der ersten Welle geglückt ist", betont Tilg.

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Welche Maßnahmen in den nächsten Tagen verkündet werden, darüber herrscht noch Uneinigkeit. Platter wünscht sich in erster Linie bundesweite Vorgaben, vor allem was eine Sperrstundenregelung betrifft. In Tirol wurde die Sperrstunde auf 22 Uhr vorverlegt. Weil es seither nur eine Handvoll Ansteckungen gegeben hätte, verteidigt Platter die Sinnhaftigkeit der Tiroler Lösung.

"Zuvor waren wir mit einigen Clustern in der Nachtgastronomie konfrontiert gewesen." Eine Registrierungspflicht bei Restaurantbesuchen wäre für ihn wünschenswert, die rechtliche Basis dafür stehe aber auf wackeligen Beinen, fügt der Landeshauptmann hinzu. Trotzdem empfiehlt Platter den Wirten, diese freiwillig einzuführen.

Kapazitäten in Spitälern spielen bei der Einstufung eine wichtige Rolle.
© Foto TT / Linda Rieser

Eine Besucherlenkung in den Alters- und Pflegeheimen, Veranstaltungsbeschränkungen oder ein gestaffelter Beginn bei den Schulzeiten stehen ebenfalls im Raum. Was Platter nicht will, wie er gegenüber der TT betont, ist eine neuerliche soziale Isolation von älteren Menschen. Auch die Frage einer möglichen Verlängerung der Herbstferien stellt sich für die schwarz-grüne Landesregierung nicht. Das Signal wäre nämlich kein gutes. Bund und Land Tirol werden sich deshalb in den nächsten Tagen intensiv abstimmen, um einen roten Faden für eine möglichst einheitliche Vorgangsweise zu finden.

Für das Einhalten von Schutzvorschriften im privaten Bereich macht sich auch der grüne Koalitionspartner stark. "Nur so können wir eine weitere Ausbreitung des Coronavirus verhindern", sagte der grüne Klubchef Gebi Mair.

Mit Spannung werden jedenfalls die Empfehlungen der Ampelkommission erwartet. Sollte in Tiroler Bezirken die Ampel ab Freitag rot leuchten, sind Veranstaltungen in Innenräumen nur mehr eingeschränkt möglich.

Neben Regionen in Tirol droht das auch Bezirken in Salzburg und in Oberösterreich, wie es heißt. Schlussendlich hängt es nicht nur von den Fallzahlen alleine ab, sondern vor allem von Risikofaktoren wie den Kapazitäten in den Spitälern. Die sind derzeit allerdings in allen Bezirken noch ausreichend gegeben.

Corona-Entwicklung

Mehr als 200 positive Test­ergebnisse. Das Land Tirol wurde gestern mit 245 positiven Testergebnissen innerhalb von 24 Stunden konfrontiert.

380 positiv Getestete in Innsbruck: Für die Landeshauptstadt Innsbruck weist die Statistik aktuell 380 Fälle aus, für die Bezirke Innsbruck-Land 356, Schwaz 155, Imst 106, Kufstein 98, Landeck 45, Kitzbühel 22, Reutte 14 und Lienz 12.

Hotspot Zirl. Nach Innsbruck hat Zirl die meisten Corona-Infizierten, nämlich 54.

245 positive Tests gab es am gestrigen Tag im Land.
© APA (dpa)

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