Antidoping-Regulativ wirft Fragen auf: Wo landet das Preisgeld der Doper?

So unklar wie die Rechtslage um überführte Doper ist, so unklar gestaltet sich auch die Situation rund um deren Preisgelder. Ex-Radprofi Stefan Denifl hätte gut 12.000 Euro zurückzahlen müssen – nur an wen?

Symbolbild.
© GEPA pictures/ Panoramic

Von Florian Madl

Innsbruck – Wie lange Rudolf Massak schon im Österreichischen Radsportverband tätig ist? Der Generalsekretär weiß es wohl selbst nicht. Mitgemacht hat der umtriebige Netzwerker von WM-Erfolgen angefangen schon allerhand, doch das Antidoping-Regulativ wirft für ihn doch allerhand Fragen auf. Das gilt etwa für den Fall von Stefan Denifl, der sich verbotener Maßnahmen zur Leistungssteigerung für schuldig bekannte und dafür rückwirkend mit einer Sperre belegt wurde. „Die Rückzahlung des Geldes müsste wohl vom Radsportverband ausgehen“, meinte etwa Franz Steinberger, Veranstalter jener Österreich-Radrundfahrt, die der Tiroler im Jahr 2017 gewann.

Verbandsvertreter Massak wiederum meint, die für die Ö-Tour verantwortliche ÖRV Management GmbH müsse die Rückforderung von sich aus veranlassen. „Anders kann ich es mir nicht vorstellen.“ Doch bislang passierte das nicht, auch Denifls Anwalt Wilfried Plattner tappt im Dunkeln: „Wir würden die Preisgelder ja zurückzahlen, aber wir wissen nicht, an wen.“ Kurios: Der Schiedsspruch der Österreichischen Antidoping-Agentur hätte das im Fall Denifl zeitlich klar abgesteckt – für alle Wettkämpfe ab dem 1. Juni 2014: „Allfällig erhaltene Startgelder und Preisgelder sind binnen 14 Tagen ab Rechtskraft des gegenständlichen Erkenntnisses an den jeweils Leistenden zurückzuerstatten.“

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Das passierte allerdings nicht, und Radsport-Generalsekretär Rudolf Massak ist sich auch nicht sicher, ob das jemals passieren kann. „Wie sollen wir das umsetzen? Das Geld könnte der Verband ja nicht behalten, es müsste an die hinter Denifl klassierten Fahrer weitergeleitet werden.“ Was die Situation erschwert: Die im Radsport ausbezahlten Veranstalter-Prämien gehen ans Team, wo sie im Regelfall an alle Mitglieder ausbezahlt werden: an Wasserträger genauso wie an diejenigen, die für die Prämien verantwortlich waren. Im Fall Denifls fielen seit 2014 Preisgelder zwischen 76 und 9925 Euro (Gesamtsieg Österreich-Rundfahrt) an, in Summe über 12.000 Euro. Rechtfertigen kleine Beträge im Zeitraum von fünf Jahren den organisatorischen Aufwand? Die Kontaktdaten der betroffenen Fahrer sind kaum erhältlich, viele Teams gibt es nicht mehr.

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Auch die Rolle des Radsport-Weltverbands (UCI) ist diesbezüglich nicht geklärt, der würde als umspannende Organisation schließlich die Gesamtverantwortung tragen. Doch bislang ist kaum ein Fall bekannt, in dem überführte Doper ihr Geld auch wirklich refundieren mussten. Und solange die Veranstalter nicht auf Rückzahlung pochen, wird auch diese Frage ungeklärt bleiben.


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