Auch in Tirol fehlen Pädagogen für die Kleinsten

In ganz Österreich fehlt es an qualifiziertem Personal für Kindergärten. Auch in Tirol wird gesucht. Die Angst, dass die Qualität nach unten geregelt wird, ist bei Berufsverbänden groß.

Wie gut ist die Qualität der frühkindlichen Betreuung? Eine Frage, die politisch nicht alle gleich stark interessiert. Zig internationale Studien belegen allerdings längst die positiven Effekte auf das soziale Verhalten oder auf den Spracherwerb der Kinder.
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Von Liane Pircher

Innsbruck, Graz – Es war ein stiller Aufschrei, der in der Öffentlichkeit zuletzt nahezu unterging: Aus einer Notlage heraus (zu wenig qualifiziertes Personal am Markt) schraubte der steirische Landtag am Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz: Künftig dürfen nun auch Personen ohne abgeschlossene pädagogische Qualifikation Kindergartengruppen leiten, im Falle gerüstet mit einer Schnell-Schulung von „30 Unterrichtseinheiten“.

„Eine Katastrophe für die gesamte Elementarpädagogik“, heißt es in einem offenen Brief an die gesamte Politik seitens des Österreichischen Berufsverbands der Kindergarten- und Hortpädagoginnen (ÖDKH). „Da kämpft man seit Jahrzehnten um eine höhere Qualifikation in der Elementarpädagogik, weil man weiß, wie essenziell diese als erste Bildung für Kinder ist und dann dieser bildungspolitische Rückschritt. Die Politik ignoriert damit alle wissenschaftlichen Empfehlungen“, so die Vorsitzende Raphaela Keller.

Fakt ist, dass es österreichweit einen Mangel an qualifiziertem, gut ausgebildetem Personal gibt. Das hängt auch damit zusammen, dass viele, die eine Bildungsanstalt für Elementarpädagogik besuchen, nach der Matura lieber studieren gehen oder nur kurz in einen Kindergarten wechseln. Man wisse seit Jahren, dass man diesen Beruf attraktiver machen müsse, auch in der Bezahlung, so Keller. Getan habe man dahingehend nichts.

Die Lage sei in ganz Österreich ähnlich – und überall gebe es die Tendenz, weniger gut ausgebildetes Personal, etwa Assistenzkräfte auch für Gruppenführungen, anzustellen. Auch in Tirol fehlt Personal in den Kindergärten, sagt die zuständige Landesrätin Beate Palfrader. Das könne man nicht leugnen. Mit dem Ausbau der Kinderbetreuung wachse der Bedarf. Fakt ist, dass es in Tirol einen relativ hohen Anteil von Assistenzkräften gibt und es auch möglich ist, ohne Ausbildung in eine Anstellung zu kommen, allerdings mit der Auflage, innerhalb von drei Jahren einen Lehrgang absolvieren zu müssen. Leitende sind aber voll ausgebildete Fachkräfte – und, so Palfrader: „Wir bemühen uns, den Anteil an Fachkräfte zu erhöhen.“ Was die Qualität von Tirols Kindergärten anbelangt, brauche man sich laut Palfrader nicht zu verstecken: „Vor allem der Betreuungsschlüssel ist bei uns gut.“ Dass viele gut Ausgebildete nach der Schule erst gar nicht in den Beruf wechseln, sei auch einem Imageproblem geschuldet: „Mir dreht es den Magen um, wenn man bei diesem Beruf das Wort ,Tante‘ hört, aber es ist leider so, dass die Wertschätzung – auch monetär – nicht dieselbe ist wie etwa bei technischen Berufen.“ Für Palfrader ist der Kindergarten als erste Bildungsstätte immens wichtig. Eine Botschaft, die in Tirol nicht in allen Köpfen der (vielfach männlichen) Bürgermeister angekommen ist: „Überall, wo eine Frau Bürgermeister werkt, ist mehr Bewusstsein für das Thema Kinderbetreuung zu spüren“, sagt sie.

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Fakten und Zahlen

In den Kindergärten in Tirols Gemeinden sind aktuell 1648 Fachkräfte mit spezifischer Fachkräfteausbildung beschäftigt. Gleichzeitig sind 562 Assistenzkräfte ohne und 934 mit einschlägiger Ausbildung beschäftigt. In den Kinderkrippen sind es 710 Fachkräfte und 230 Assistenzkräfte ohne und 381 mit Ausbildung.

Der Betreuungsschlüssel im Tiroler Kinderbildungs- und Kinderbetreuungsgesetz sind für Kinderkrippen eine Betreuungsperson für sechs Kinder (1:6) und in Kindergärten eine für zehn Kinder (1:10) bestimmt. Ausnahmen bzw. Stützkräfte gibt es bei außergewöhnlichen Gruppenkonstellationen. Damit liegt Tirol im vorderen Feld österreichweit.


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