Kochlehre auf Kreuzfahrtschiff durchkreuzt: Luca ging im Zillertal an Land

Luca Urbschat war einer der ersten Kochlehrlinge auf einem Kreuzfahrtschiff. Dann warf Corona seine Pläne über Bord. Nun kann der 21-Jährige im Hotel Stock seine Lehre beenden.

Vom TUI-Kreuzfahrtschiff nach Finkenberg. Luca Urbschat genießt die neue Aussicht und lernt nun von Küchenchef Jan Vostrovsky.
© Foto Rudy De Moor

Von Nicole Strozzi

Finkenberg – Schön ist es hier in Finkenberg. Berge, Wiesen, Wälder – nur Meer gibt’s hier definitiv keines. Trotzdem hat Luca Urbschat aus Düsseldorf genau hier im Zillertal im Hotel Stock angeheuert. Zuvor schipperte der 21-Jährige seit 2018 als Kochlehrling auf dem TUI-Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 1“ durch die Weltgeschichte. Er legte in St. Petersburg, Island und Dubai an und durchlebte in Norwegen sogar acht bis zehn Meter hohe Wellengänge. „Zwei Tage lang hatte ich einen unruhigen Schlaf und Kopfschmerzen. In der Küche mussten die Pfannen festgeschraubt werden, das Geschirr am Tisch wurde mit Alufolie fixiert, so sehr hat es gewackelt“, verrät Luca bei unserem Besuch im Zillertal.

Gegen die Wellen, die Corona geschlagen hat, ist dieses Abenteuer hingegen nichts. Die Pandemie hat die Kreuzfahrtbranche ziemlich durchgerüttelt und auch der Crew turbulente Zeiten beschert. Luca war einer der weltweit ersten Kochlehrlinge, die auf einem Kreuzfahrtschiff ausgebildet wurden. In seiner Heimat Deutschland ist der 21-Jährige in den Medien bekannt. Das Filmteam von RTL begleitete ihn auf seinem Weg, seit er 19 ist.

„Ich habe genau eine Bewerbung geschrieben und wurde genommen.“ Luca Urbschat (Kochlehrling)
© Foto Rudy De Moor

Doch im Februar nahm die Reise des Düsseldorfers auf der 372 Meter langen „Mein-Schiff-Flotte“ ein abruptes Ende. Vier Monate vor Abschluss seiner Ausbildung machte ihm das Virus einen Strich durch die Rechnung. Ein halbes Jahr verbrachte der junge Mann wieder daheim im Hotel Mama. Sein Ziel, die Kochlehre zu beenden, hat er nicht aus den Augen gelassen.

Wenn nicht Meer, dann halt die Berge, dachte sich Luca, der bereits im Zillertal urlaubte und das Stock Resort kannte. „Ich habe genau eine Bewerbung geschrieben. Und ich wurde genommen“, erzählt der Weltenbummler. Im Fünfsterne-Haus hat Luca nun die Möglichkeit, seine Lehre zu beenden.

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Natürlich sei es eine Umstellung, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben und von Bergen umringt zu sein. Aber er habe sich in Tirol super eingelebt. Der Kochlehrling arbeitet nun im Team von Küchenchef Jan Vostrovsky und bekocht bis zu 250 Gäste. Am Schiff musste der Deutsche gemeinsam mit der Küchenmannschaft 3000 Passagiere und eine 1300-köpfige Crew verköstigen. „Es gab aber auch exklusive Restaurants an Bord“, lacht Luca. In „kleinen Portionen“ zu kochen, ist also nichts Neues für ihn.

Geändert hat sich vor allem die Unterkunft. Während Luca nun mit seinen Kollegen ein Mitarbeiterhaus bewohnt, war er als Auszubildender am Schiff in einer kleinen Kabine im unteren Deck untergebracht. 56 Nationen trafen dort aufeinander, gesprochen wurde in Englisch. „Wir haben uns zu zweit eine Kabine geteilt. Die Crew wohnte im dritten und vierten Unterdeck. Je weiter unten man wohnt, desto weniger wackelt es“, erzählt Luca. Der Nachteil: Man hört die Wellenschläge besser und Tageslicht sucht man vergeblich. Trotzdem hat er sich wohl gefühlt auf hoher See. „Wir waren eh nur zum Schlafen in der Kabine“, winkt der Koch ab.

Seekrank ist er im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen nie geworden. Das wusste der viel gereiste Düsseldorfer bereits vorher. „Gemeinsam mit meinen Eltern habe ich schon als Kind etwa 25 Kreuzfahrten unternommen“, verrät er.

Das Leben auf hoher See habe ihn immer gereizt. Genau wie das Kochen. „Als Koch steht dir im Grunde die Welt offen“, macht Luca jungen Menschen den Beruf schmackhaft. Von der Welt hat der 21-Jährige schon viel gesehen. Und von Corona lässt sich der 21-Jährige nicht die Suppe versalzen. Statt in St. Petersburg geht er nun in Mayrhofen mit Freunden aus. Da ist es genauso schön.


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