Undurchschaubarer Iran: „Solace of Lovers“ im Ferdinandeum

Sehr spezieller Einblick: Das Ferdinandeum zeigt Werke von sieben iranischen Künstlern.

Neben Arbeiten von Tarlan Rafiee (Ausschnitt im Bild) sind in Innsbruck aktuell Werke von Mazdak Ayari, Reza Bangiz, Nargess Hashemi, Farah Ossouli, Jazeh Tabatabai und Parviz Tanavoli zu sehen.
© Rafiee

Innsbruck – Zuerst nach Italien und jetzt in den Iran – den gedanklichen Reisen bleibt das Ferdinandeum parallel zu seiner Schau „Goethes italienische Reise“ treu. Die gestern eröffnete Sonderausstellung „Solace of Lovers“ bringt das Publikum ins alte Persien und in den neuen Iran.

Für Landesmuseen-Direktor Peter Assmann ist es nicht sein erster Ausflug in den Nahen Osten. Schon den Palazzo Ducale in Mantova öffnete er für die iranische Kunst. Waren es in Italien weibliche Positionen, widmet er sich gemeinsam mit der inzwischen ausgeschiedenen Helena Pereña und dem iranischen Kuratorenteam Tarlan Rafiee und Yashar Samimi Mofakham in Innsbruck nun den großen Motiven der persischen Literatur: Hoffnung, Schönheit, Liebe, Leid. Also allem. Sieben iranische Kunstschaffende, die mehrheitlich auch im Iran leben, arbeiteten sich an dieser Tradition ab. Ihre Werke sind nun im Ferdinandeum zu sehen.

Warum jetzt der Iran? Könnte man sich fragen. So fern ist der Iran für Tirol gar nicht, will Assmann zeigen: Selbst die hauseigene Sammlung wartet mit persischen Miniaturen auf, die mit dem Innsbrucker Diplomaten und Ingenieur Albert Joseph Gasteiger Khan Mitte des 19. Jahrhunderts nach Innsbruck kamen.

Zu diesen „Erinnerungsstücken“ aus dem Osten gesellen sich Arbeiten von heute, in denen Ost und West verschwimmen, etwa wenn Farah Ossouli in „Leonardo Forough und ich“ über die Mona Lisa Zeilen von Forough Farrochzads feministischen Schriften legt: Die Ikone westlicher Kunstgeschichte hebt Ossouli ganz selbstverständlich in den Diskurs von Heute. Und in Tarlan Rafiees Arbeiten, die in „Solace of Lovers“ nicht nur aussucht, sondern auch ausstellt, verschmilzt der große persische Dichter Hafis mit der Pop-Art.

Die Kuratoren wollen mit den Werken in eine „andere Kunstgeschichte“ einführen, die Schau soll Plädoyer fürs Augen-Öffnen sein. Auch mit offenem Blick bleibt die „Solace of Lovers“ an vielen Stellen jedoch undurchsichtig: Welcher Iran wird hier verhandelt? Welche Referenzsysteme gibt es für Künstler abseits der Tradition? Welche Bedeutung spielt sie heute? Das begleitende Studioheft ist um Antworten bemüht, die Schau selbst aber schweigt vornehm. „Solace of Lovers“ ist ein Experiment, ein sehr spezieller, kleiner Einblick in eine große Kultur. Und der normale Museumsbesucher kommt über die Oberfläche wohl kaum hinaus. (bunt)

Landesmuseum Ferdinandeum. Museumstr. 15, Innsbruck; bis 31.1.2021, Di–So 10–18 Uhr.


Kommentieren


Schlagworte