Bezirksweit einheitliches Contact-Tracing in Schwaz

Tourismusverbände im Bezirk Schwaz machen gemeinsame Sache. PCR-Teststation in Mayrhofen soll innerhalb einer Stunde Ergebnis liefern.

Mit Werbemitteln wie diesem Plakat wird das Contact-Tracing-Programm „Tracy“ beworben. Die Testphase läuft derzeit in Tux.
© Free PSD Mockup

Von Angela Dähling

Mayrhofen – Reisewarnungen für Tirol, Fünf-Tage-Quarantäne für Deutsche, die sich trotzdem herwagen würden, rote Corona-Ampeln. Die hiesige Tourismuswirtschaft schwankt zwischen Ohnmacht und Panik.

In Mayrhofen hat man schon vor Wochen entschieden, nicht auf das zu warten, was da bis Weihnachten kommt, sondern sich bestmöglich zu rüsten. „Covid-19 ist unsere größte Herausforderung derzeit und bereitete mir schon etliche schlaflose Nächte“, sagt Andreas Hundsbichler, Obmann des TVB Mayrhofen-Hippach. Bei der Gemeindeversammlung in Mayrhofen informierte er kürzlich über den Stand der Dinge. „Wir planen einen Container als Teststation bei der Sportclinic in Mayrhofen aufzubauen – für Akutfälle mit Symptomen“, sagt er. Zusammen mit dem ärztlichen Leiter der Privatklinik, Herwig Kunczicky, und dem Innsbrucker Labor Theurl hat der TVB die Absicht, zwei PCR-Testgeräte kaufen und dafür 90.000 Euro vorstrecken. „Das ist dann eine offizielle, behördlich genehmigte Teststation, wo man etwa über die Corona-Hotline 1450 hingeschickt wird“, erläutert der TVB-Obmann. Innerhalb von einer Stunde erhalte man das Ergebnis.

Zudem biete man allen, die etwa für den Arbeitgeber oder bei Rückreisen ins Heimatland einen Covid-Test vorweisen müssen, jeden Freitag im Europahaus Gurgeltests um 75 Euro an. Gemeinsam mit der Tirol Werbung und der Bezirkshauptmannschaft wolle man zudem ein Appartmenthaus in Zell für jene positiv Getesteten bereitstellen, die nicht im Zillertal wohnen.

Tracing über App ab Wintersaison für ganzen Bezirk möglich

Großes Thema ist seit Wochen das Contact-Tracing. Wie Anfang September in der TT berichtet, sollen Gäste wie Einheimische über die App MyZillertal die Möglichkeit bekommen, sich dafür einmalig zu registrieren. Indem man dann die QR-Codes von Restaurants, Skischulen, Veranstaltungen etc. mit seinem Handy beim Besuch scannt, werden die Daten erfasst. Was erst nur für die Ferienregion Mayrhofen-Hippach gedacht war, soll mit Wintersaisonstart im ganzen Bezirk möglich sein. „Unsere Technologie läuft im Hintergrund, aber die anderen Regionen brauchen nicht unsere App. Es funktioniert auch über eine Webversion und wird sich ‚Tracy‘ nennen“, erklärt TVB-Geschäftsführer Andreas Lackner. Die ersten Tests dazu sind in Tux bereits gestartet. Lackner: „Ziel ist, dass bis 1. November die Lösung so weit ist, dass wir sie an unsere Betriebe übergeben und diese schulen können und bis zum Dezember sich die Prozesse und die Kommunikation eingeschliffen haben. Tracy ist für die Leistungsträger kostenfrei.“ Diese können sich auch mehrere unterschiedliche QR-Codes (z. B. für unterschiedliche Stuben im Restaurant) online selbst erstellen und diese dann auf die entsprechenden Werbemittel aufdrucken. Der wesentliche Punkt sei laut Lackner die Kommunikation, damit Gäste und Einheimische sich auch tatsächlich registrieren und so den Behörden bei der Kontaktnachverfolgung helfen. Deshalb gebe es eine gemeinsame Kommunikationsstrategie, bei der alle Regionen im Bezirk dieselbe Designsprache in Form von Plakaten, Tischaufstellern usw. verwenden.

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Auch Seefeld und zwei Schweizer Destinationen verwenden den gleichen Anbieter. Warum die Nachbarregionen wie das Alpbachtal, Wildschönau, Brixental, Kitzbühel, St. Johann in Tirol, Pillerseetal, Wilder Kaiser und Kufsteinerland einen anderen technischen Anbieter wählten und das Ganze nicht sogar tirolweit einheitlich ist, erklärt Lackner mit den Worten: „Es gelang keine gemeinsame Kommunikation von Bund oder Land. Und dann wurde zu spät, zu lang und viel zu technisch diskutiert. Uns drängte die Zeit.“ Die Anbieter machen technisch praktisch dasselbe. „QR-Code-Scannen ist keine Raketenwissenschaft“, meint Lackner trocken.

In der Ferienregion Mayr­hofen-Hippach erhalten übrigens diesen Winter alle Gäste bei ihrer Ankunft durch den Gastgeber ein „Safety Pack“. Es beinhaltet u. a. ein Schlauchtuch als Mund-Nasen-Schutz und eine Karte, die man über die App MyZillertal zum Skipass werden lässt. Man spart sich damit die Wartezeit an der Liftkassa.


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