Neuer Reifen auf rostiger Vespa-Felge sorgte für Unfall: Händler belangt

Vergangenen Herbst begab sich ein Ehepaar aus dem Raum Innsbruck auf ihre Jahrzehnte alte Vespa. Der Ausfahrt sollte nichts im Wege stehen – sogar Schläuche und Reifen waren vorher getauscht worden. Doch dann kam es zum Unfall.

Klassische Vespas sind der Stolz vieler Tiroler und bedürfen fachgerechter Instandhaltung.
© iStock Editorial

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Die eigene Vespa ist Stolz vieler Tiroler. Betrachtet man das Straßenbild, tummeln sich auch viele liebevoll gepflegte Veteranen des Kult-Rollers auf heimischen Pfaden.

An einem schönen Herbsttag begab sich letztes Jahr auch ein Ehepaar aus dem Raum Innsbruck auf ihre Jahrzehnte alte Vespa. Der Ausfahrt mit der technisch einwandfreien 125er sollte nichts im Wege stehen – sogar Schläuche und Reifen hatte der Besitzer kurz zuvor noch bei einem Fachreifenhändler tauschen lassen. Doch dann während der Fahrt plötzlich ein Schlingern auf der Geraden, gefolgt vom völligen Luftdruckverlust am Hinterreifen. Ein Sturz war für den langjährigen Rollerfahrer unvermeidbar.

Obwohl das Paar mit dem Roller im Ortsgebiet mit kaum 50 km/h unterwegs war, resultierten aus dem Unfall ein gebrochener Fuß und beiderseits Abschürfungen und Prellungen. Aufgrund des seltsamen Luftverlustes am Reifen wurde die Vespa von der Polizei sichergestellt. Rechtsanwalt Martin Wolf beauftragte nach fruchtlosen Gesprächen mit der Reifenfirma dazu einen Reifen-Sachverständigen. Der kam zu einem klaren Befund: So hatte der Reifenhändler den nagelneuen Schlauch samt Neubereifung einfach ohne jede Vorbehandlung auf die bereits verrostete Felge montiert. Die scharfen Rostpartikel verursachten somit in kürzester Zeit Löcher im Schlauch. Der Gutachter folgert: „Die Felge muss zum Montagezeitpunkt schon sehr stark verrostet gewesen sein.“ Dem nicht genug, war auch der zwingend vorgeschriebene Austausch von Muttern nicht vorgenommen worden. Aus dem Gutachten: „Zum Glück war der Unfalllenker nur mit 50 km/h unterwegs, sodass der Unfall relativ glimpflich verlief. In einem gleichgelagerten Fall in der Schweiz ist der Soziusfahrer noch an der Unfallstelle verstorben.“

Bis heute ist bei dem Bruch der Heilungsverlauf noch nicht endgültig abgeschlossen. Anhand des nun vorliegenden Gutachtens konnte RA Wolf jedoch von der gegnerischen Haftpflichtversicherung bislang eine Auszahlung von über 7500 Euro als Schadenersatz, Gutachterkosten und Schmerzensgeld erreichen. Weiteres Schmerzensgeld könnte je nach Heilungsverlauf noch folgen. Auch die Anwaltskosten fallen noch an. „Hier wurde die Montage ganz klar sorgfaltswidrig durchgeführt!“, so Anwalt Wolf.

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