In fremden (Lust)gärten: Ehekomödie „Das Konzert" in Wien

Josefstadt-Prinzipal und Gattin feiern die Ehekomödie: Herbert Föttinger und Sandra Cervik in „Das Konzert“.

Herman Bahrs „Das Konzert“ hatte am Donnerstag im Theater in der Josefstadt Premiere.
© Schnell

Wien – Der begeisterte Applaus bestätigt treffsicheres Zielgruppentheater, Hut ab! Hermann Bahrs Komödie „Das Konzert“ ist zudem geeignet für Zeitreisende in jene Ära, in der man sich ganz trefflich über potente Männer und weibliche Dummerchen die Schenkel klopfen konnte.

Was in der Idealvorstellung durchaus als zeitgemäße Befragung eines in die Jahre gekommenen Lustspiels mit überdrehtem Retro-Charme spannend und, ja, auch lustig sein könnte, kommt in Janusz Kicas Josefstadt-Inszenierung, abgesehen von ein paar erhellenden Ausreißern, leider rechtschaffen altbacken daher. Dabei führt die Zeitreise ästhetisch nicht ins Entstehungsjahr von Herman Bahrs Erfolgsstück (1909): Kica und seine Bühnen- und Kostümbildnerin Karin Fritz verorten den alternden Starpianisten Gustav Heink, dessen abgeklärte Ehefrau Marie und deren Entourage in den schrill-bunten frühen 1980ern.

Würde es im Zeichen vom #metoo dieses neue Genre geben, so gehörte „Das Konzert“ zu den „Bademantel“-Stücken. Kann sich doch – von Direktor Herbert Föttinger souverän und lustvoll ausgespielt – der Schwerenöter Heink einiges leisten, wenn er statt zu einem „Konzert“ mit der jungverheirateten Delfine Jura (Alma Hasun, weniger Rollen-dumm, eher Rollen-unglücklich) in die Berghütte abrauscht. Dass dort, neben den Dienstboten im Löwinger-Bühnen-Format (Susanna Wiegand, Siegfried Walther), als vermeintlich neue Verbindung Heinks Frau Marie und Delfines Mann Dr. Jura auftauchen, führt zu Pikanterien und durchwegs gelungenem Schlagabtausch. Sind doch sowohl Sandra Cervik (im echten wie im Bühnen-Leben die Frau an der Seite „Heinks“) als auch der gelassen abgedrehte Vokuhila-Träger Franz Jura des Martin Vischer ein netter Kontrast.

Bahrs akklamierte Traumbeziehung, trotz alternativen Happyends, sind natürlich Cervik und Föttinger. Vielleicht nimmt sich ja Wiens beliebtestes Schauspielerehepaar doch einmal „Der Widerspenstigen Zähmung“ an – gemäß einem in der Pause vernommenen Herzenswunsch eines Besuchers. (lietz)

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.


Kommentieren


Schlagworte