Zelte wie Kartenhäuser: Lage der Flüchtlinge auf Lesbos spitzt sich zu

Die Lage der Flüchtlinge auf der Insel Lesbos spitzt sich vor dem Winter zu. Die Caritas warnt vor einer „Katastrophe mit Anlauf“.

Keine Dusche, keine Wasserleitung, nur Chemie-Klos: Die Lage für die Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos spitzt sich zu.
© Caritas

Lesbos – Geregnet hat es zuletzt auch auf der griechischen Insel Lesbos. Dort mit schweren Folgen für die Flüchtlinge, die nach dem Brand im Camp Moria in behelfsmäßigen Unterkünften untergebracht sind, berichtet Caritas-Wien-Geschäftsführer Klaus Schwertner nach einem Lokalaugenschein. Die Zelte seien weder wind-, noch wasser- und winterfest. Viele haben keinen Boden. Im Regen seien sie „wie Kartenhäuser zusammengefallen“.

Schwertner warnt angesichts des nahenden Winters vor einer „Katastrophe mit Anlauf“. In dem Ausweichlager Kara Tepe auf Lesbos gebe es keine einzige Dusche, „die Menschen müssen sich im Meer waschen“. Es gebe keinen Anschluss an die lokale Wasserleitung, somit seien auch nur Chemie-Klos vorhanden. Die medizinische Versorgung sei völlig unzureichend.

Der Caritas-Mann hat dabei eine klare Einstellung, wo die Verantwortlichkeiten für die Zustände auf Lesbos liegen. Verbesserungen der Lebensbedingungen wären möglich, ebenso wie letztlich eine Lösung in der Migrationsfrage generell, ist Schwertner überzeugt. Es sei aber „keine Frage des politischen Könnens, sondern des Wollens“. Er habe den Eindruck, dass weiter „am Modell der Abschreckung gearbeitet“ werde.

In Europa müsse es aber möglich sein, Grenzen zu wahren und gleichzeitig Menschenrechte und -würde zu schützen, betonte er. Es brauche daher weitere Anstrengungen, auch Österreich werde seinen Beitrag leisten müssen. Schwertner forderte die Bundesregierung erneut zur Teilnahme an Umsiedelungsprogrammen (Relocation) von Geflüchteten auf. „Die Wien-Wahl ist vorbei, wir hoffen, dass jetzt wieder Vernunft und Hausverstand eintreten und Österreich eine überschaubare Zahl von geflüchteten Menschen aufnimmt.“

Der türkise Teil der Bundesregierung lehnt es ab, Menschen von den griechischen Inseln aufzunehmen. Stattdessen lieferte die Regierung 55 Tonnen Hilfsgüter nach Griechenland, darunter winterfeste Zelte. Diese sind offiziellen Angaben nach aber noch nicht auf den Inseln angekommen. (APA, TT)


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