Ein Plädoyer für den Mund-Nasen-Schutz: Kommt Pflicht bald auch im Freien?

Zusammenschau von Studien aus aller Welt: Ja zur Maske, außer bei Kindern. Am Montag werden Bund und Länder über weitere Maßnahmen beraten, eine Maskenpflicht im Freien könnte dabei sein.

Hygienemaßnahmen wie die Ausweitung der Maskenpflicht sollen Montag zwischen Bund und Ländern ebenfalls diskutiert werden.
© Thomas Böhm

Innsbruck, Wien – Die Maske – der „Mund-Nasen-Schutz“ – kommt bei der österreichischen Bevölkerung gut weg. Mitte September sagten 80 Prozent der Befragten bei einer Studie der Uni Wien, dass sie die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr und in Geschäften jedenfalls oder eher unterstützen. Im Juni waren nur 55 Prozent dieser Meinung.

Die Einstellungen schwanken. Andrea Schmidt von der Gesundheit Österreich GmbH und Arne Bathke sowie Georg Zimmermann von der Uni Salzburg haben daher versucht, den Stand der internationalen Forschung zur Maske zusammenzutragen. Ihr Resümee basierend auf Studien aus aller Welt: Die Maske – korrekt getragen und sauber – kann die Verbreitung von Viren verringern. Wo man andere Personen trifft und Abstände nicht einhalten kann, sollte die Maske daher getragen werden – auch im Freien.

Nachteile oder Gefahren durch die Maske gebe es praktisch nicht, außer bei manchen Vorerkrankungen, etwa der Lungenerkrankung COPD oder bei Epilepsie. Auch bei Kindern unter drei Jahren sei die Maske nicht angeraten. Bei Kindern bis elf Jahren bringe sie wenig. Ab 12 Jahren sollten Kinder die Maske aber so nutzen wie Erwachsene.

Geringe Kosten, keine Nebenwirkungen: Die Maske – sauber und korrekt getragen – kann die Übertragung des Virus einschränken.
© APA

Für die Maske spreche zudem der geringe Preis. Besonders wirksam seien FFP2-Masken ohne Ventil. Keine eindeutigen Aussagen gibt es zur Vielzahl an Stoff- und Einwegmasken. Die Wirksamkeit von Plexiglas-Visieren wird skeptisch betrachtet.

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Schließlich berichten die Experten von einer noch unsicheren Hypothese: Das Tragen einer Maske könnte den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

Und die Maske erinnere außerdem an weitere Vorsichtsmaßnahmen wie den ausreichenden Abstand oder Handhygiene. Denn ersetzen könne die Maske diese nicht.

Die Experten veröffentlichten ihr Papier im Rahmen der „Covid-19 Future Operations Plattform“, in der Kanzler-Beraterin Antonella Mei-Pochtler und Ex-Minister Thomas Starlinger Experten verschiedener Unis und Disziplinen zusammenbringen.

Maskenpflicht bald auch im Freien?

Bereits am Montag könnte über eine erweiterte Maskenpflicht, auch im Freien, gesprochen werden. Bund und Länder werden über weitere Maßnahmen beraten und diese wohl setzen. „Die Videokonferenz soll dazu dienen, dass wir gemeinsam die nächsten Schritte besprechen und die richtigen Maßnahmen setzen“, betont Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Verschärfungen sind auch bei Veranstaltungen im Gespräch, wie auch eine bundesweite Vorverlegung der Sperrstunde. In Tirol ist derzeit um 22 Uhr Schluss.

Eine generelle Schließung von Schulen kommt für den Bund derzeit nicht in Frage. Heimunterricht für Oberstufenschüler wie ab Montag in sechs Tiroler Bezirken und für rund 25.000 Tiroler Schüler dürfte allerdings eine Option sein.

Gegen diesen Schritt regt sich bereits jetzt Widerstand, besonders Elternvertretern geht diese Maßnahme – so früh im noch jungen Schuljahr – zu weit. Bildungsdirektor Paul Gappmaier verteidigt die neue Regelung. Dahinter stecke der epidemiologisch sinnvolle Wunsch, den Schulbetrieb zu entzerren. „Und diesen kann ich verstehen“, sagt er.

Der Bildungsdirektor weist allerdings darauf hin, dass die Lage an den Schulen noch unter Kontrolle sei. Aktuell befinden sich 1324 Schüler in Quarantäne, 207 davon sind positiv auf Corona getestet. Von den Lehrern sind 132 in behördlicher Isolation, davon 43 infiziert. „Wir erleben derzeit zwar einen kontinuierlichen Anstieg, aber keinen exponentiellen“, sagt ­Gappmaier.

Als erste Behörde hat nun das Innsbrucker Oberlandesgericht auf Studien reagiert, wonach die Plexiglasvisiere kaum Schutzfunktion aufweisen. Per Erlass sind diese dem obligatorischen Mund-Nasen-Schutz per Maske im Gerichtssprengel nicht mehr gleichgestellt. (sabl, TT)


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