Eine große Liebe im Geheimen: „Deux – Wir beide“

Dramatisch und schön: „Deux – Wir beide“ als filmisches Kammerspiel über die innige Beziehung zweier Frauen.

Herzensmenschen. Madeleine (Martine Chevallier, links) und Nina (Barbara Sukowa).
© Filmladen

Von Markus Schramek

Innsbruck – Aus dem Lautsprecher erklingt lautstark italienischer Liebesschmalz in seiner schönsten Form. Zwei Frauen bewegen sich tanzend dazu, harmonisch, selbstverständlich, innig.

Nina (gespielt von Barbara Sukowa) und Madeleine (Martine Chevallier) sind jenseits der 70 – und seit Jahrzehnten ein Liebespaar. Bloß darf das niemand erfahren, vor allem nicht Madeleines erwachsene Kinder Anne (Léa Drucker) und Frédéric (Jérôme Varanfrain). Sie haben das Bild ihrer Mutter als trauernde Witwe des verstorbenen Vaters fest in sich verankert. An diesem Mosaikstein heilen Familienlebens lassen die beiden nicht rütteln, auch wenn der Vater ein Haustyrann war und beide Kinder selbst gescheiterte Beziehungen zu verkraften haben.

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Madeleine bleibt mit diesem familiären Rucksack nicht viel anderes übrig, als ihr persönliches Glück mit der wahren Liebe Nina heimlich zu leben. Dass beide nur durch einen Korridor getrennt in Nachbarwohnungen leben, ist kein Zufall und ermöglicht amouröse Treffen zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Doch Heimlichtuerei und Herzensangelegenheiten lassen sich auf Dauer nicht vereinbaren. Die beiden Frauen wollen Frankreich verlassen und nach Rom, ihrem Sehnsuchtsort, übersiedeln. Da erleidet Madeleine einen Schlaganfall. Sie kann nicht mehr sprechen und so ihren Kindern noch viel weniger klarmachen, wie es um sie und ihre Nachbarin steht.

Regisseur Filippo Mene­ghetti schildert die Geschichte zweier liebender Frauen in „Deux – Wir beide“ in starken Bildern im Stile eines Kammerspiels. Anleihen aus dem Thrillerfach laden den Film zusätzlich mit Spannung auf.

Nina schreckt vor nichts zurück, um „Mado“, wie sie Madeleine liebevoll nennt, für sich zurückzugewinnen. Raffiniert befördert sie die Hauskrankenpflegerin aus dem Weg. Niemand soll Madeleine so nahe kommen wie Nina. Sie ist die vielbesungene „Woman in Love“, und eine solche stoppt nichts und niemand – auch nicht die Umzäunung eines Pflegeheims. In ein solches verfrachtet Tochter Anne ihre Mutter, nachdem ihr dämmert, welcher Art die Beziehung zwischen den beiden älteren Frauen tatsächlich ist.

„Deux – Wir beide“ ist bei aller Dramatik ein schöner Film, ein Leckerbissen auf der Leinwand. Barbara Sukowa, die seinerzeit schon zur filmischen Entourage von Rainer Werner Fassbinder zählte, und Martine Chevallier liefern ein schauspielerisches Glanzstück ab (Sukowa als Deutsche noch dazu in makellosem Französisch). Beide benötigen dazu kein großes Tamtam und auch keine ellenlangen Dialoge. Blicke, Gesten und Berührungen sagen doch alles über zwei Menschen, die sich lieben.


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