Neue Maßnahmen für Tirol bereits in der Schublade

Niederlande sprechen für Nordtirol eine Reisewarnung aus. Weitere Schritte sind in Vorbereitung, auch in Innsbruck denkt BM Willi bereits über Verschärfungen nach.

In Innsbruck blinkt die Corona-Ampel derzeit "rot".
© Thomas Böhm

Von Peter Nindler und Marco Witting

Innsbruck, Wien – Die Zahl der auf Corona positiv getesteten Personen erhöht sich in Österreich täglich. Tirol weist derzeit mit Salzburg die höchste Sieben-Tage-Inzidenz auf. Nämlich knapp 140 Fälle pro 100.000 Einwohner.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP): „Wir wollen gemeinsam die richtigen Maßnahmen im Bund und in den Ländern setzen.“
© APA (BUNDESKANZLERAMT)

Vor allem die Landeshauptstadt Innsbruck (229) und Schwaz (210) verzeichneten in der Vorwoche deutliche Anstiege. Deshalb treten ab heute die ersten von LH Günther Platter (VP) angekündigten Verschärfungen in Kraft, wie die Besucherlenkungen mit zwei Besuchern am Tag pro Patient oder Bewohner in Spitälern, in Alten- und Pflegeheimen sowie in Betreuungseinrichtungen.

Außerdem werden Vereinsaktivitäten auf den eigentlichen Zweck beschränkt. Weitere Beschränkungen, beispielsweise bei (Sport-)Veranstaltungen, gelten von Montag an. Zugleich müssen sich Gäste in Restaurants und Lokalen ab nächster Woche registrieren, die auf 22 Uhr vorverlegte Sperrstunde bleibt aufrecht. Platter betonte am Freitag erneut, dass man sich am Scheideweg befinde. „Entweder wir kommen mit den Infektionszahlen runter oder wir befinden uns mitten in der zweiten Welle.“

Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi: „Ich kann eine Ausgangssperre derzeit ausschließen, aber nicht für die Zukunft. Die rote Ampel ist bedauerlich.“
© Stadt Innsbruck/Rudig

Die Niederlande haben bereits ganz Nordtirol auf ihre rote Liste gesetzt, mit Ausnahme von Osttirol. Bisher wurde nur vor Reisen nach Innsbruck und Wien gewarnt, Vorarlberg und Niederösterreich treffen die Reisewarnungen jetzt ebenfalls.

Am Montag werden die Landeshauptleute gemeinsam mit Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) über die aktuelle Infektionssituation in Österreich und neue bundesweite Maßnahmen beraten. Kurz appellierte gestern an den Zusammenhalt wie im Frühjahr. „Wie stark es Österreich schafft, die zweite Welle zu bewältigen und abzuwehren, hängt nun von den kommenden Wochen und der Disziplin aller ab.“ Besonders das Freizeitverhalten sei von entscheidender Bedeutung, weil im privaten Bereich aktuell die meisten Neuinfektionen zu verzeichnen seien. Im Gespräch sind eine Ausweitung der Maskenpflicht oder weitere Restriktionen bei Veranstaltungen.

Darüber denkt Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi (Grüne) auch schon nach. Er versuchte gestern mit Taferln die steigenden Infektionszahlen in der Landeshauptstadt darzustellen. Die zeigten „eine Gerade nach oben“, die es jetzt zu drehen gelte. Man sei dankbar für die Maßnahmen des Landes, die Ampelschaltung auf Rot für Innsbruck sei „bedauerlich“. Doch wenn die Zahlen weiter steigen würden, dann könnten weitere Maßnahmen folgen, fügte der Stadtchef hinzu. Wie diese aussehen? Darauf wollte Willi nicht eingehen.

Zwar sollen die Pläne in der Schublade im Rathaus liegen, doch letztlich sind die Maßnahmen zu „diskutieren“. Auf eine mögliche Ausgangssperre von der TT angesprochen, versuchte Willi einen verbalen Spagat. Er könne diese „derzeit“ ausschließen, nicht aber für die Zukunft. Ansonsten wird die Stadt den Vorgaben des Landes folgen. Innsbrucks Bürgermeister will aber jedenfalls Veranstaltungen mit einem schlüssigen Hygienekonzept, etwa im Landestheater oder dem Haus der Musik, auch mit über 250 Personen genehmigen.


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