Unverständnis in Tirol: ABC-Soldaten für Corona-Telefondienst abgezogen

In Tirol führen 240 Personen das Contact-Tracing durch. Im Verdachtsfall rückt das „Team Epidemiologie“ aus, in dem auch 37 hochspezialisierte Soldaten der ABC-Abwehrkompanie sind. Dass sie abgezogen werden, stößt bei Brigadekommandant Gaiswinkler auf Unverständnis.

ABC-Soldaten beim Trainieren ihrer Einsatzaufgaben im Hochgebirge.
© Krickl/Lindner

Innsbruck – Wien sucht für das Contact-Tracing – das Erheben und Bearbeiten von Covid-19-Verdachtsfällen – 500 Langzeitarbeitslose für den Telefondienst. Auch in Kärnten unterstützen Langzeitarbeitslose das Contact-Tracing nach einer Einschulung durch die Gesundheitsbehörden.

In Tirol führen derzeit 240 Personen das Contact-Tracing durch. „Vielfach erfolgt der Personaleinsatz dafür innerhalb des Landes durch Personalumschichtungen“, sagt Bettina Sax von der Öffentlichkeitsarbeit des Landes. Im Verdachtsfall werden die Behörden vom „Team Epidemiologie“ unterstützt, in dem auch 70 Soldaten sitzen. 37 von ihnen sind hochspezialisierte Kräfte der ABC-Abwehrkompanie der 6. Gebirgsbrigade in Absam.

Dass diese Kräfte im Rahmen des Assistenzeinsatzes abgezogen werden, stößt bei Brigadekommandant Johann Gaiswinkler auf Unverständnis. „Diese Assistenz belastet die Truppe sehr und verzögert bzw. verhindert die Ausbildung für die eigentlichen Aufgaben des Bundesheeres. Natürlich erfüllen wir unseren Auftrag, aber es wäre sinnvoller, hier Arbeitslosen eine Chance zu geben.“

Die ABC-Abwehrkompanie ist ein Spezialteam, das auch in Friedenszeiten eingesetzt wird, um u. a. Personen zu dekontaminieren oder aus kontaminierten Objekten zu retten. „Für diese Einsätze muss täglich trainiert werden. Diese Soldaten – zum überwiegenden Teil Grundwehrdiener – können nun nicht mehr ordnungsgemäß ausgebildet werden und es ergibt sich damit für den Westen Österreichs eine erhebliche Lücke, sollte hier ein Einsatz erforderlich sein.“

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Dass weiters 39 Soldaten der Kaderpräsenzeinheit einen Monat den Telefondienst verrichten mussten, kritisiert Gaiswinkler. „21 davon wurden vorzeitig aus einer hochwertigen Überlebensausbildung herausgelöst. Diese Ausbildung ermöglicht meinen Soldaten das Überleben unter schwierigen Bedingungen im scharfen Einsatz. Durch diese Verwendung haben wir wertvolle Ausbildungszeit verloren, die wir nicht mehr kompensieren können. Diese Soldaten gehen nächstes Jahr in den Kosovo. In letzter Konsequenz wurde dadurch ein Risiko für den Auslandseinsatz eingegangen.“

Der Militärkommandant von Tirol, Brigadier Ingo Gstrein, zeigt Verständnis für die Kritik, entgegnet aber auch: „Die Kräftezuordnung erfolgte nach Prüfung und Abstimmung durch die 6. Gebirgsbrigade mit Kommando Streitkräfte.“ Bei einem allfälligen Einsatz der Tiroler ABC-Abwehrkräfte „kann jederzeit ein höherer Bedarf aus anderen Bundesländern gedeckt werden.“ (wa)


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