Mehrere Festnahmen nach Ermordung eines Lehrers bei Paris

Nach der mutmaßlich terroristisch motivierten Ermordung eines Lehrers in einem Pariser Vorort herrscht in Frankreich riesiges Entsetzen. Der Lehrer wurde enthauptet, erklärte die Staatsanwaltschaft am Samstag bei Bekanntgabe näherer Details zu dem Angriff. Die Polizei nahm aus dem Umkreis des mutmaßlichen Täters mehrere Menschen fest, wie die Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Der Angreifer selbst war bereits am Freitag von der Polizei getötet worden.

Die grausame Tat hatte sich am Freitagnachmittag im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine ereignet. Dort soll der Geschichtslehrer auf offener Straße von dem Angreifer attackiert worden sein. Die Staatsanwaltschaft gab am Samstag weitere Details zu der Tat bekannt. Der mutmaßliche Täter sei 2002 in Moskau geboren worden und sei russischer und tschetschenischer Herkunft, sagte Staatsanwalt Jean-François Ricard am Samstag.

Er habe seit dem Frühjahr einen Flüchtlingsstatus in Frankreich und sei bisher geheimdienstlich nicht aufgefallen. Er wurde demnach von der Polizei kurz nach der Tat erschossen.

Der Mann war mit einem Messer und einer Softair-Pistole bewaffnet - in der Nähe des Tatorts fand die Polizei außerdem ein rund 30 Zentimeter langes blutverschmiertes Messer. Das Opfer, ein 47-jähriger Geschichtslehrer, hatte zahlreiche Wunden am Oberkörper und Kopf und wurde enthauptet aufgefunden, wie Ricard sagte. Er sei gerade auf dem Weg nach Hause von der Schule gewesen. Der Täter habe ihm aufgelauert.

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Der Staatsanwalt führte aus, dass dem Angriff bereits Drohungen gegen den Lehrer und die Schule vorausgegangen waren. Der Lehrer hatte Anfang Oktober im Rahmen der Debatte über Meinungsfreiheit und die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ im Unterricht entsprechende Zeichnungen gezeigt. Daraufhin veröffentlichte ein Vater Posts in sozialen Netzwerken, beschwerte sich bei der Schulleitung und machte gegen den Lehrer mobil.

Der mutmaßliche Täter postete nach der Tat ein Foto des gestorbenen Opfers im Netz. „Ich habe einen Ihrer Höllenhunde hingerichtet, der es gewagt hat, Mohammed herabzusetzen“, zitierte der Staatsanwalt aus dem Tweet. Die Ermittler gehen von einem terroristisch motiviertem Angriff aus. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte von einem islamistischen Terrorakt gesprochen.

Schon zuvor hatten Islamisten in Frankreich und anderen Staaten wegen Mohamed-Karikaturen gemordet. An der Schule habe es auch Unmut darüber gegeben; der Lehrer sei bedroht worden, berichtete der Sender Franceinfo. Der Vater eines 13-Jährigen sagte dem Sender France Inter, dass der Lehrer muslimische Schüler gefragt habe, ob sie den Raum verlassen wollten, bevor er die Bilder zeigte. Der Lehrer sei nicht „herablassend oder respektlos“ gewesen.

„Mein erstes Gefühl ist zunächst einmal Angst, aber ich glaube, es ist genau das, wonach diese Terroristen suchen“, sagte die Beigeordnete Ministerin im Innenministerium, Marlene Schiappa, dem Sender Franceinfo. „Die Schule bildet den freien Geist, aufgeklärte Bürger - und genau das ist es, was die Islamisten, die von Dummheit, Unwissenheit, Indoktrination und Hass leben, nicht tolerieren können.“

Insgesamt waren am Samstag neun Menschen in Polizeigewahrsam. Berichten nach soll es sich um Angehörige des mutmaßlichen Täters sowie andere Personen handeln. Der mutmaßliche Täter ist laut Medien ein 18-jähriger Tschetschene, der in Moskau geboren wurde. Er soll nach der Tat im Netz mit dem Tod des Mannes geprahlt haben und war Schiappa zufolge den Geheimdiensten vorher nicht bekannt.

In Österreich verurteilte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) auf Twitter „den barbarischen islamistischen Terrorangriff“ in Frankreich „auf das Schärfste. Mein aufrichtiges Beileid gilt den Angehörigen des Opfers und unsere volle Solidarität Frankreich.“

Auch die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) verurteilte in einer Aussendung „den kaltblütigen Mord“ scharf. TKG-Obmann Birol Kilic: „Die Straftäter, die ihre kaltblütigen Morde mit einer Religion begründen, sind egal aus welchem Motiv, genauso Mörder wie alle anders motivierten Verbrecher. Dies war nicht nur ein Angriff auf das Opfer, sondern auf die Republik und Demokratie sowie den säkularen Rechtsstaat.“

Präsident Emmanuel Macron hatte sich noch am Freitagabend zum Tatort aufgemacht, in einer kurzen Erklärung aber keine Details zur Tat genannt. Der sichtlich erschütterte Macron nannte den Angriff einen islamistischen Terrorakt. Macron stellte sich sehr deutlich hinter die Lehrkräfte. Es sei kein Zufall, dass ein Terrorist ausgerechnet einen Lehrer ermordet habe, weil er das Land in seinen Werten habe angreifen wollen, sagte der Staatschef. Aus Elyseekreisen hieß es, dass eine nationale Gedenkfeier geplant sei. Das Datum stehe allerdings noch nicht fest.

Im Kampf gegen radikalen Islamismus hatte der Staatschef zuletzt vor allem auf die Bildung als zentrales Element gesetzt. Der Fernunterricht von Kindern, die zu Hause bleiben, solle vom kommenden Sommer an strikt eingegrenzt werden, kündigte Macron Anfang Oktober an. Ausnahmen solle es nur noch aus Gesundheitsgründen geben. Unterricht sei vom Alter von drei Jahren an verpflichtend.

Erst vor wenigen Wochen hatte es vor dem ehemaligen Redaktionsgebäude des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ in Paris eine Messerattacke gegeben. Dabei wurden zwei Menschen verletzt - auch hier hat der Täter veröffentlichte Mohammed-Karikaturen als Motiv für die Tat angegeben.

Auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ hatte es im Jänner 2015 einen verheerenden Mordanschlag gegeben, bei dem die wichtigsten Zeichner des Blattes getötet wurden. Aktuell läuft in Paris der Prozess gegen mutmaßliche Helfer der islamistischen Terrorserie im Jänner 2015, bei der insgesamt 17 Menschen getötet wurden.

Frankreich wird seit Jahren von islamistischen Anschlägen erschüttert - dabei starben mehr als 250 Menschen. Daher ist die Terrorgefahr fast ständig im Bewusstsein der Menschen. Frankreichs Regierung hat den Kampf gegen den Terror zu einer Priorität gemacht und warnt immer wieder, dass die Gefahr von Terrorangriffen sehr hoch sei.


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