Mehr als Erinnerungen an Fotograf Anton Christian

Parallel zur Schau im Volkskunstmuseum zeigt das Rabalderhaus in Schwaz erstmals Fotografie von Anton Christian.

Jahrzehntelange Auseinandersetzung mit dem Morbiden: 2013 fotografierte Anton Christian diese Reliquie aus Bayern (Ausschnitt).
© TT

Schwaz – Es geht nicht nur ums Erinnern. Wo es verdächtig aus dem Reliquienschrein funkelt, die Gischt Formen in den Sand zeichnet oder die toten Augen einer Puppe den Betrachter verfolgen, da ist das Bild nicht bloße Dokumentation: Seit den 1970ern ist die Kamera ständiger Begleiter des Tiroler Künstlers Anton Christian. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt das Volkskunstmuseum aktuell eine Retrospektive. Im Rabalderhaus sind parallel dazu noch bis Montag erstmals fotografische Arbeiten zu sehen.

Aufgenommen hat sie Anton Christian auf Reisen nach Griechenland, Frankreich oder in den Vorderen Orient. Weite Landschaften, Wasserspiele oder Gesteinsstrukturen sind davon übriggeblieben. Aber auch Aufnahmen von Reliquienstätten, sakraler Skulptur oder Architekturdetails bringt der Künstler mit nach Hause. Besonders sie zeugen von seiner jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit dem Grundsätzlichen: Tod und Geburt oder Krieg und Leid.

Die Faszination für das Morbide zeigt sich etwa in den Aufnahmen einer Puppe, die – wie die Schau logisch zeigt – als Motiv in der Malerei „Alte Frau mit Puppe“ (1983) weiter verarbeitet wird. In den großformatigen Collagen wird die Fotografie später gar bildprägend: Der Künstler verwendet Fotos als eigenständige Elemente – gleichwertig wie Text. In der Serie „Handschuhlandschaft“ werden sie übermalt, bei „Im Garten“ (2015) wird eine gemalte Figur auf Fotografie gebettet, in „Atem fühlen“ (2018/19) sind es lediglich fotografierte Schatten, Spiegelungen, die er auf den malerischen Untergrund appliziert.

Dieser starke Konnex zur Malerei lässt die Fotografie bei Anton Christian wohl nie zum eigenständigen Medium werden. Ganz im Klaren soll sich der Betrachter bei seinen Aufnahmen auch nicht sein – so scheint es: In der Tiefe verschwimmen die Motive oder liegen unter einer Art Film, der den Bildern wiederum etwas Malerisches verleiht. Fotografie bleibt lediglich ein Aspekt seines Künstlerœuvres – weitaus emanzipierter ist seine Druckgrafik, die noch bis 29. Oktober in der Villa Schindler in Telfs zu sehen ist. (bunt)

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