Streit um Brennerbasistunnel: Alle gegen Verzögerung

Kommt der Brennerbasistunnel erst weit nach 2030? In Tirols Politik und Wirtschaft herrscht wegen des Tunnel-Streits Unmut.

„Es wäre völlig unverständlich, mitten in der Krise ein Baulos zu beenden und neu auszuschreiben.“ – Christoph Swarovski (Präsident Industriellenvereinigung)
© Industriellenvereinigung

Innsbruck – Im Streit über die Dicke und Beschaffenheit der Tunnel-Außenwände könnte es heute zur großen Eskalation kommen. In der heutigen Sitzung der Errichtergesellschaft des Brennerbasistunnels (BBT SE) könnte, wie berichtet, eine Neuausschreibung des knapp 1 Mrd. Euro teuren größten Bauloses Pfons–Brenner beschlossen werden. Die Folge wäre wohl ein langer und teurer Rechtsstreit mit Arge H51 Pfons-Brenner unter Führung von Porr – und eine weitere mehrjährige Verzögerung der Tunnel-Fertigstellung bis weit nach 2030. Die BBT SE spricht von „Leistungsverzögerung und Leistungsverweigerung“, Porr-Chef Karl-Heinz Strauss von einer fehlerhaften Ausschreibung mit Vorgaben, die technisch unmöglich seien.

Nach TT-Informationen seien sowohl LH Günther Platter wie auch Südtirols LH Arno Kompatscher verärgert über die BBT-Vorgangsweise. Sehr beunruhigt über eine drohende Neuausschreibung zeigt sich auch Tirols Industriellen-Präsident Christoph Swarovski. Für ihn wäre es „völlig unverständlich, mitten in der Wirtschaftskrise ein bereits vergebenes Baulos mit einem Volumen von rund 1 Milliarde Euro zu beenden und neu auszuschreiben“. Das würde der Wirtschaft und der Bevölkerung wegen der noch späteren Transit-Entlastung schaden. „Vor allem stehen aber auch Hunderte Arbeitsplätze direkt und indirekt auf dem Spiel.“

Auch bei den Landtagsfraktionen klingeln ob des Streits zwischen ARGE und BBT alle Alarmglocken. „Eine Neuausschreibung des Bauloses Pfons-Brenner würde den Bau des BBT um Jahre verzögern“, ärgert sich VP-Verkehrssprecher Florian Riedl. Eine effiziente Umsetzung sei zu garantieren – die „ganze Welt schaut auf dieses Vorzeigeprojekt“. Eine nun drohende Verzögerung der Inbetriebnahme müsse mit „allen Kräften verhindert werden“, sagt SP-LA Philip Wohlgemuth. Aus Sicht der SPÖ sei „eine Verhandlungslösung anzustreben“. FP-Chef Markus Abwerzger vermisst sowohl bei der BBT SE als auch der zuständigen Politik „die Professionalität“. Liste-Fritz-Obfrau Andrea Haselwanter-Schneider ortet gar „einen Schildbürgerstreich“. Das Problem der Tunnelwände hätte bereits bei der Ausschreibung auffallen müssen. (va, mami)

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