„Riesen“-Tristesse nach Sölden-Auftakt noch größer

Die bescheiden formulierten sportlichen Ziele erfüllten sich nicht im ÖSV-Lager. Der Riesentorlauf bleibt die Achillesferse. Wie lange noch?

Stefan Brennsteiner war als 17. bester Österreicher am Rettenbachferner.F
© gepa

Von Max Ischia

Innsbruck, Sölden –Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie skiverrückt Österreich zuweilen ist, dann sei der Verweis auf die heimische Post gestattet. Um den Fans in Covid-19-Zeiten Wintersportflair ins Haus zu liefern, – so hieß es in der gestrigen Aussendung –, wurde eine besondere Marke aufgelegt. Eine in Form einer Skispitze, die in Aufbau, Fertigung und Materialien einem echten Ski entspricht. Das gute Stück wird 150.000-mal aufgelegt und ist ab Freitag erhältlich. Wie die Briefmarke auf einem Kuvert halten soll, blieb unerwähnt.

Die Sondermarke der Post in Form einer Skispitze.
© Österreichische Post

Österreichs Alpine haben es derweil am Wochenende verabsäumt, Werbung in eigener Sache zu machen. Vielmehr schlitterte man am Rettenbachferner geschlechterübergreifend in historische Heimdebakel – vor leeren Rängen, aber alles andere als unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Im Schnitt stolze 485.000 Zuseher bei den Damen (Vorjahr: 345.000) und 594.000 (Vorjahr 485.000) bei den Herren waren auf ORF 1 in Bilde und bekamen einen sportiven Offenbarungseid in Rot-Weiß-Rot zu sehen. Der Versuch einer Aufarbeitung:

1. Ausgangslage: Pleite, Desaster, Debakel, Fiasko, Katastrophe – wie man das österreichische Abschneiden auch nennen mag, wirklich überraschend kam es nicht. Zynische Zungen sprachen gar von einem Ergebnis der Papierform nach. Keine Blasphemie, schließlich rangiert keine ÖSV-Dame in den Top Ten der RTL-Weltrangliste und kein Herr in den Top 15. Dass sich Verbandsboss Peter Schröcksnadel am Sonntag demonstrativ vor seine Läufer stellte („Ich bin sicher, dass sie schnell fahren können. Sie haben es halt nicht heruntergebracht“), hatte schon etwas von kaum noch argumentierbarem Urvertrauen.

2. Hirscher-Effekt: Im Vorjahr waren Manuel Feller und Kollegen angetreten, dem überlangen Schatten von Marcel Hirscher zu entfliehen. Eine Mission impossible, wie sich herausstellte und von Rennen zu Rennen mehr Verunsicherung auslöste. Der letzte ÖSV-Riesentorlaufsieger, der nicht Hirscher hieß, war Philipp Schörghofer – 2011 in Hinterstoder.

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3. Technikprobleme: Das im Frühjahr installierte Trainerduo Mike Pircher, knapp ein Jahrzehnt lang an der Seite von Marcel Hirscher, und dessen Vater Ferdinand soll den Riesentorlauf-Karren wieder flottkriegen. Die Weichen wurden mit einem neuen Technikleitbild erstellt – allein die Umsetzung samt Ausmerzung eingeschliffener Muster benötigt Zeit. Gerade bei den arrivierten Läufern gleicht das auch einem Spiel mit dem Feuer.

4. Nachwuchsschwäche: Dass hinter Österreichs Bestem, dem auf Platz 17 klassierten Stefan Brennsteiner, nur noch die beiden Speed-Größen Vincent Kriechmayr (24.) und Matthias Mayer (25.) im 30er-Finale standen, ist Fakt. Ebenso, dass Roland Leitinger bis zu seinem Aus schneller als der spätere Zweite Marco Odermatt unterwegs war. Aber: Wo sind die Jungen?


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