„Fair Pay“ im Kulturbereich: Honorarempfehlung auf Knopfdruck

„Fair Pay“: Die Tiroler Künstler*schaft lud zu drei Tagen Diskussion über bessere Arbeitsbedingungen in der heimischen Kunst- und Kulturszene.

Fixe Honorare für ausstellende Künstler: Mit der Schau von Alfredo Barsuglia im Februar startete die Künstler*schaft die Initiative.

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Viele Infos braucht der „online calculator“ nicht: Art des Werkes plus Anzahl der Aussteller plus Ausstellungsdauer ergibt ein empfohlenes Künstlerhonorar. 3555 Euro sollte er verlangen, wird sein neues Werk in einer Gruppenschau für vier Monate gezeigt. Ist faire Bezahlung derart simpel? Über 100 holländische Kunstinstitutionen bejahen diese Frage, sie orientieren sich an den Empfehlungen von „Kunstenaars Honorarium“. Auch in Tirol erregt Sepp Eckenhaussen, Ko-Direktor der Platform Beeldende Kunst Amsterdam, für die Initiative Aufmerksamkeit. Vorgestellt hat er sie bei einer Tagung über bessere Arbeitsbedingungen in der Kultur – kurz „Fair Pay“.

Initiiert wurde die dreitägige Zusammenkunft von der Tiroler Künstler*schaft, der battlegroup for art und der IG bildende Kunst, die sich seit Jahren für faire Löhne einsetzen: 2010 erarbeiteten die Tiroler Kultur­initiativen Honorarrichtlinien für Kulturarbeiter, 2016 initiierte die IG bildende Kunst „pay the artist now“, 2020 führte die Tiroler Künstler*schaft fixe Honorare für die in ihren Häusern ausstellenden Künstler ein. Ähnliche Konzepte aus Deutschland kommen in Innsbruck zu Wort: Mehrere Bundesländer definierten etwa Honoraruntergrenzen für Kulturschaffende, berichtet Anne-Cathrin Lessel vom Lofft Leipzig. Ein Modell, das sich nicht vollständig bewährt habe: Auch Institutionen, die zuvor mehr bezahlten, orientierten sich zunehmend an der Untergrenze – zum Nachteil für die Kunstschaffenden.

Wie bei den Nachbarn gibt es auch in Österreich bis heute keine Honorarrichtlinien auf Bundesebene. „Es gibt faire Bananen und fairen Kaffee, warum gibt es nach wie vor keine faire Kultur?“, warf Yvonne Gimpel, Geschäftsführerin der IG Kultur, dazu ein. Gerade jetzt, wo Corona einmal mehr aufzeigt, unter welch fragilen und prekären Bedingungen die Szene arbeite, sei es Zeit für eine neue Normalität, so Gimpel.

„Unsere Strategie muss jetzt sein, konkret zu werden und konsequent vorzugehen.“ – Petra Poelzl (Tiroler Künstler*schaft)
© Maroody

Immerhin: Staatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) lässt zeitgleich mit dem Treffen in Innsbruck aus Wien verlautbaren: Der Arbeitsprozess zum Thema Fairness in der Kultur ist gestartet, am 10. November kommen Nominierte aus neun Bundesländern zusammen. Mayers Ziel: die Stärkung der sozialen Absicherung von Kunstschaffenden. Gelingen könne das nur gemeinsam mit den Ländern, betont schon Brigitte Winkler-Komar, Vorsitzende der Arbeitsgruppe Fair Pay im Bund, die in Innsbruck am Panel saß. Der Bund sei schließlich nur subsidiär für Kulturförderung zuständig, erklärt sie. Mit dem Land Tirol gebe es aber einen guten Austausch, 70.000 Euro fließen jährlich vom Land in das IG Netz, das 1991 gegründet wurde, um Theatergruppen bei der Zahlung der Sozialversicherungsbeiträge unter die Arme zu greifen.

Töpfe wie dieser sollen mit neuen Richtlinien überflüssig gemacht werden, so Katalin Erdödi aus dem Kuratorium für Tanz, Theater und Performance der Stadt Wien, die durch das Panel in Innsbruck führte. „Faire Bezahlung wird Geld kosten“, gibt sie zu bedenken: Etwa 25 Prozent mehr an Förderungen wird es dafür brauchen, sollen Wiener Theater in einer neuen Evaluierung errechnet haben. Wer soll das bezahlen?

Das ist nicht die einzige Frage, die in Innsbruck unbeantwortet bleibt. „Unsere Strategie muss jetzt sein, konkret zu werden“, fordert Petra Poelzl, Leiterin der Tiroler Künstler*schaft. Zuerst müssten Bedingungen klar definiert werden, so Poelzl. Und mitbedacht werden, dass die Arbeitsweise ständig interdisziplinärer werde.


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