Handel warnt vor „Zwangs-Pfand“ auf Plastikflaschen

Österreichs Handel läuft Sturm gegen ein Einweg-Pfand für Flaschen aus Kunststoff. Das gefährde viele kleine Händler und heize die Preise an.

Pro Kopf werden in Österreich jährlich 42 Kilo Plastikmüll verursacht. Mit intelligenten Maßnahmen soll die Sammelquote auf 90 Prozent steigen.
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Wien, Innsbruck – Seit Wochen gehen die Wogen rund um ein diskutiertes Pfandsystem für Einweg-Plastikflaschen hoch. Im Handel ist man strikt gegen die Pläne des Bundes, gestern haben Vertreter des Handelsverbandes Umweltministerin Leonore Gewessler einen Zehn-Punkte-Plan für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft übergeben.

In Österreich fallen jährlich pro Person 42 Kilo Plastikmüll an. Das sei viel zu viel, seien sie mit Politik und Experten einig, betonen die Handelsvertreter. Leider werde die öffentliche Diskussion zuweilen stärker von ideologisch bestimmten Fake News als von Fakten bestimmt.

Die EU schreibt bis 2025 für Kunststoff-Getränkeflaschen eine verpflichtende Getrenntsammelquote von 77 Prozent vor, bis 2029 muss eine Getrenntsammelquote von 90 Prozent erreicht werden. In Österreich kommen jährlich 1,6 Mrd. Plastikflaschen in Umlauf, davon würden aktuell 70 Prozent gesammelt. In Tirol, Vorarlberg und im Burgenland sogar über 90 Prozent. In Wien sei es momentan aber nur ein Drittel der Plastikflaschen.

Die Einführung eines Einweg-Pfandsystems wäre für selbstständige Kaufleute mit einem sehr hohen Investitionsaufwand verbunden, der kaum finanzierbar wäre und so die Nahversorgung gefährde, warnt Unimarkt-Geschäftsführer Andreas Haider. Für Spar-Chef Gerhard Drexel gebe es beim „Zwangs-Pfand“ nur Verlierer: die Konsumenten, die jedes gebrauchte Flascherl in den Supermarkt zurückbringen müssten, um ihr zuvor bezahltes Pfand von 30 Cent zurückzufordern, die Händler mit hohen Kosten, die Umwelt, weil beim Pressen Flüssigkeit austrete, und „das vorbildliche österreichische Sammelsystem, für das uns ganz Europa bewundert, das auf Dauer beschädigt würde“. Einwegpfand in Österreich hieße „ökologisch mit Kanonen auf Spatzen zu schießen und Mehrweg einen ein K.-o.-Schlag zu verpassen“, sagt Rewe-Vorstand Marcel Haraszti.

Laut Handelsverband wäre das von der Wirtschaft ausgearbeitete umfassende Konzept um mindestens 60 Mio. Euro jährlich günstiger als das geplante Pfand. Dieses sehe u. a. einheitliche Sammelfraktionen in ganz Österreich vor, eine stärkere Abholung von zu Hause, eine bessere Erfassung von öffentlichen Gebäuden, von Gewerbeabfall sowie von Spielplätzen und Wegen vor. Es brauche künftig auch smarte Sammelbehälter und ein ökologisches Verpackungsdesign, schlägt der Handel vor. (TT)


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