Unfälle an Bahnanlagen: Die unterschätzte Gefahr am Gleis

Oft ist es Leichtsinn, der im Bereich von Bahnanlagen zu tragischen Unfällen führt.

Die Missachtung einer geschlossenen Schranke kann fatale Folgen haben – immer wieder kommt es dabei zu tragischen Unfällen. (Symbolfoto)
© OEBB

Innsbruck, Landshut – Ein tragischer Zugunfall bei Landshut in Niederbayern hat vergangene Woche für Entsetzen in Deutschland gesorgt. Um einen im Bahnhof Bruckberg stehenden Zug zu erwischen, überquerte ein Brüderpaar (13 und 17 Jahre) am Dienstagmorgen gegen 7.15 Uhr einen Bahnübergang trotz geschlossener Schranken. Dabei wurden die beiden von einem durchfahrenden Regionalzug in voller Fahrt erfasst und tödlich verletzt. Zahlreiche Augenzeugen, darunter mehrere Schüler, hatten den Unfall beobachtet. Die Fahrgäste wurden ebenso wie die Angehörigen von Kriseninterventionsteams vor Ort betreut.

Dass Unfälle wie jener in Bayern auch in Österreich immer wieder passieren, zeigt ein Blick auf die Statistik. Laut ÖBB sind im Vorjahr in Österreich zwölf Menschen wegen unüberlegten Handelns und Leichtsinns an Gleisanlagen zum Teil schwer verunglückt, einige leider auch tödlich. Dazu kommen noch 63 Unfälle mit Verletzungen an Eisenbahnkreuzungen, die in zehn Fällen tödlich endeten.

In Tirol waren bei den ÖBB im Vorjahr wegen unerlaubten Bewegens in Gleisanlagen zwei Schwerverletzte zu beklagen. Dazu kommen im Bundesland Tirol noch fünf Unfälle an Eisenbahnkreuzungen, bei denen es zum Glück weder Tote noch Verletzte gegeben hat. Besonders Jugendliche und junge Erwachsene begeben sich häufig aus Unwissenheit und Leichtsinn in Lebensgefahr, heißt es dazu seitens der ÖBB.

„Neben Investitionen in technische Sicherungsanlagen ist uns daher die Bewusstseinsbildung gerade bei Schülerinnen und Schülern ein großes Anliegen“, sagt ÖBB-Pressesprecher Christoph Gasser-Mair. „Sie werden oft beim Wechsel in höhere Schulen zum ersten Mal zu regelmäßigen Bahnfahrern. Gleichzeitig sind sie wichtige Multiplikatoren unserer Sicherheitsbotschaften bei Familie und Freunden.“

Auch heuer haben die ÖBB daher anlässlich des Schulbeginns im Herbst ihre Kampagne „Pass auf dich auf“ gestartet. Dabei wurden vier themenbezogene Sujets gestaltet, die die schwerwiegenden Folgen leichtsinnigen Verhaltens auf Bahnanlagen visualisieren. Besonders im Eisenbahnverkehr gebe es Gefahren, die vielen Menschen oft nicht bewusst seien. So haben Züge einen sehr langen Anhalteweg: Ein Güterzug, der mit 100 Stundenkilometern unterwegs ist, benötigt etwa 700 bis 1000 Meter, um stehen zu bleiben – ein Auto mit derselben Geschwindigkeit nur rund 90 Meter. (np, APA, TT)


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