Zeuge mit Erinnerungslücken: Tiroler Polizist klar freigesprochen

Bei der PI Bahnhof wurde ein erfundener Raub angezeigt.
© TT/Thomas Böhm

Auch Polizeibeamte sind natürlich nicht vor strafrechtlicher Verfolgung gefeit. In einem Innsbrucker Fall war es für einen einst in der PI Bahnhof tätigen Inspektor sogar recht schnell zur Anklage wegen Amtsmissbrauchs gekommen. Ursache war die Aussage eines „Raubopfers“, das letztlich gar keines gewesen ist. Dies hatte wohl auch der 36-jährige Polizist anhand seiner Routine mit dem Bahnhofsmilieu recht schnell herausgehört.

Laut Angeklagtem sei er vom Inspektor darauf förmlich zur Wahrheit gezwungen worden. Nicht nur, dass ein tatsächlich gar nicht existierendes Video im Bereich der Bögen ins Spiel gebracht worden sei, habe der Beamte auch mit Untersuchungshaft gedroht – in diese war übrigens zwischenzeitlich ein vom Falschanzeiger zu Unrecht verdächtigter Amtsbekannter gewandert. Wandern musste nach Anklage auch der Polizist – nämlich in eine andere Dienststelle.

Bis der Anzeiger am Landesgericht als Zeuge vernommen werden konnte, benötigte es drei Anläufe: Gestern konnte er von der Polizei aus Linz vorgeführt werden, zurück ging es nach dem Prozess auf eigene Kosten. Die Aussagen waren dann so unzuverlässig und reich an Erinnerungslücken, dass selbst Staatsanwalt Florian Oberhofer kein Fundament für die Anklage mehr sah. So konnte der Zeuge nicht einmal ausschließen, ob nicht er die U-Haft selbst ins Spiel gebracht hatte. Verteidiger Hermann Rieder bedankte sich beim Ankläger für die Verteidigerrolle und resümierte, dass sein Mandant wohl nur Spürsinn bewiesen und seine Pflicht erfüllt habe.

Der Senat unter Richter Georg Putz fällte darauf nach sehr kurzer Beratung – nicht rechtskräftig – einen klaren Freispruch.

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15 Monate Haft ergingen gestern über einen 33-Jährigen, an dem ein bereits verordnetes Anti-Aggressionstraining scheinbar spurlos vorbeigegangen war. Im August hatte er bei einem Streit mit dem Vermieter wegen bevorstehender Delogierung einen Golfschläger gepackt und dem Wohnungseigentümer damit absichtlich den Unterarm gebrochen. (fell)


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