70.000 Paar Filzpatschen aus Tirol gehen in alle Welt

Gerhard Gottstein, Chef des gleichnamigen Imster Unternehmens, setzt auf Filzpantoffeln, aber auch Walkstoffe, etwa für Chanel.

Firmen-Chef Gerhard Gottstein (l.) und sein Sohn Philipp im Werk in Ötztal-Bahnhof.
© Thomas Boehm / TT

Was macht die Firma Gottstein?

Gerhard Gottstein: Wir sind Spezialisten für Wollverarbeitung. Das heißt, wir produzieren Hausschuhe aus besonderen Wollsorten sowie Walkstoffe für die Modeindustrie.

Sie waren bis vor Kurzem im Modehandel tätig. Warum haben Sie diesen Geschäftszweig aufgegeben?

Gottstein: Der Bekleidungshandel hat uns zwar viel Freude bereitet, doch wir wollen unsere Kernkompetenz, die Wollverarbeitung, ausbauen. Daher haben wir das Trachtenmodengeschäft kürzlich aufgegeben.

Gottstein ist für seine Hausschuhe aus Filz regional sehr bekannt. Was ist das Besondere an ihnen?

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Gottstein: Wir stellen sicher qualitätsmäßig die besten Filzhausschuhe her, die es derzeit auf dem Markt gibt. Unser Unternehmen ist nicht groß, daher setzen wir auf Qualität und nicht auf Quantität. Gottstein produziert pro Jahr rund 70.000 Paar hochwertige Filzpatschen.

Wie unterscheiden sich diese Filzpantoffeln von denen der Konkurrenz?

Gottstein: Wir selbst prüfen und wählen jede Woll-Charge aus, die wir später verarbeiten. Die Herstellung der Hausschuhe erfolgt komplett hier in Tirol, bei uns im Werk in Ötztal-Bahnhof. Einzigartig ist, dass unsere Filzpantoffeln aus einem Stück bestehen. Das heißt, es gibt keine sichtbare Naht.

Sie haben ja auch eine Produktlinie, bei der Wolle seltener Schafrassen verarbeitet wird.

Gottstein: Die ganze Welt spricht von Merinowolle, dabei vergessen viele, dass einige der außergewöhnlichsten Schafrassen direkt in unseren Bergen beheimatet sind. Wir verarbeiten die Wolle von seltenen Schafrassen wie zum Beispiel dem Tiroler Steinschaf, dem Schweizer Juraschaf oder der Moorschnucke. Auch einige der edelsten Wollen der Welt wie vom Yak, Alpaka und Kamel werden von uns verarbeitet. Jede Wolle reagiert anders. Das ist höchste Filzkunst, das kann nicht jeder.

Wohin gehen diese Pantoffeln?

Gottstein: Hauptmärkte sind Österreich, Deutschland und die Schweiz, aber auch Italien, dort hauptsächlich Südtirol. Importeure haben wir jedoch auch in den skandinavischen Ländern, England, den USA und Japan.

Planen Sie ein Wachstum im Bereich Hausschuhe?

Gottstein: Unsere natürlichen Produkte und die regionale Herstellung finden zunehmend Anklang. Selbst während des Lockdowns und auch jetzt ist die Nachfrage nach unseren hochwertigen Filzhausschuhen stärker geworden. In der Produktion sind wir dafür gut gerüstet und könnten noch ausbauen. Natürlich sind dem Wachstum auch Grenzen gesetzt, da wir unsere Produktion nicht ins Ausland verlagern wollen und auch keine Konzessionen bei der Qualität machen.

Das zweite Standbein von Gottstein ist die Herstellung von Walkstoffen für Modeunternehmen, so genannte Konfektionäre. Wie entwickelt sich dieser Bereich?

Gottstein: Auch hier planen wir ein Wachstum. Der Stoffbereich macht einen guten Teil unseres Gesamtumsatzes aus. Die Kunden schätzen unsere Kompetenz und Verlässlichkeit. Wir bieten immer eine Kollektion von 50 verschiedenen Walkstoffen an. Dieser Bereich unterliegt im Gegensatz zu den Hausschuhen Modeströmungen. Daher ist hier Kreativität gefragt.

Für welche bekannten Modehäuser produziert Gottstein?

Gottstein: Chanel ist einer unserer bekanntesten Kunden, in Tirol ist es das Kitzbüheler Modelabel Frauenschuh.


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