Seriöser solle die FPÖ werden, sagt Parteichef Hofer

Die Freiheitlichen suchen nach Strategien, um wieder mehr Zuspruch zu bekommen. Personell bleibt alles wie gehabt.

In der FPÖ bleibt personell alles wie gehabt. „Ich bin kein Star, ich bin ein ganz normaler Typ“, sagt Obmann Norbert Hofer.
© APA

Von Karin Leitner

Wien – „Wir können in der Gesamtheit nicht wie bisher weitermachen.“ Das hat der niederösterreichische FPÖ-Chef Udo Landbauer am Montag, damit vor der gestrigen Zusammenkunft der FPÖ-Oberen in Wien, konstatiert. Grund für den Befund ist das Debakel bei der Wien-Wahl: Mehr als 23 Prozentpunkte haben die Blauen bei der Wahl in der Bundeshauptstadt am 11. Oktober verloren. Ein Teil der bisherigen Anhänger hat für die ÖVP gestimmt, das Gros – 101.000 Gefolgsleute – hat nicht gewählt.

Was tun, um wieder mehr Zuspruch zu bekommen? Die nächste Wahl steht im Herbst kommenden Jahres an – in Oberösterreich; dort ist ein neuer Landtag zu bestimmen. Und dort ist FPÖ-Landesobmann Manfred Haimbuchner in einem Regierungsbund mit der ÖVP.

Hoffen auf ein „gesundes Wachstum“

Gestern haben die führenden Freiheitlichen, so auch die Landeschefs, in Wien über den Stand der Dinge und die Konsequenzen daraus debattiert. Ein Ergebnis, das schon vor der Zusammenkunft klar war: Personell wird sich nichts ändern. Dominik Nepp, Chef und Spitzenkandidat der Wiener Blauen, Bundesparteichef Norbert Hofer und Generalsekretär Michael Schnedlitz amtieren weiter.

Fehler seien gemacht worden, aber in der Vergangenheit, urteilt Hofer. Auf ein „gesundes Wachstum“ wird gehofft. Mehr Seriosität sei nun geboten. Auf eine solche hat Haimbuchner gedrängt. Die FPÖ müsse zu einer „konstruktiven, seriösen Rechtspartei“ werden. „Dem ist nichts hinzuzufügen“, sagt Hofer.

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Der scharfzüngige Klubchef Herbert Kickl sagte tags zuvor, dass er bei der Nationalratswahl 2019 „nach Sebastian Kurz die meisten Vorzugsstimmen bekommen“ habe – weil sein „akzentuierter Stil“ goutiert werde.

„Compliance-Regeln“ bis Ende des Jahres

Hofer sagt einmal mehr, dass der vormalige Parteichef Heinz-Christian Strache schuld an den Verlusten bei den Wahlen seit der Ibiza-Affäre sei. Mitverantwortung dafür, dass es so weit gekommen sei, trage aber auch die Partei. Zu sehr habe man sich darauf verlassen, dass alles in Ordnung sei. Und es sei zugelassen worden, dass jemand die Partei für seine Zwecke nutze. Mit den vor Längerem angekündigten neuen „Compliance-Regeln“ werde darauf reagiert. Diese gibt es nach wie vor nicht; bis zum Ende des Jahres sollen sie vorliegen. In Richtung jener – auch innerhalb der FPÖ –, die monieren, dass es ihm an Charisma mangle, sagt Hofer: „Ich bin kein Star, ich bin ein ganz normaler Typ.“ Auch Nepp werde bleiben, wo er ist; dieser habe sich trotz der schwierigen Situation der FPÖ „sehr gut geschlagen“.

Inhaltlich wollen sich die Freiheitlichen auf „Freiheit, Soziales und Sicherheit“ fokussieren, wie Hofer erläutert. Analysen hätten gezeigt, dass seine Partei Arbeiter sowie Menschen mit serbischen und türkischen Wurzeln ansprechen habe können – nicht aber Bildungsschichten. Des Parteichefs Schluss daraus: „Wir müssen mit unseren Themen höher zielen.“ Auch die Pandemie-Causa haben die Blauen auf der Agenda. Laut dem Tiroler Obmann Markus Abwerzger ist „die FPÖ die einzige Corona-kritische Fraktion“.


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