Tirolerin bei „Zukunft für Tshumbe“: Ihr Herz schlägt für Afrika

Mit sechs Jahren beschloss Manuela Erber-Telemaque aus Going, einen Kindergarten in Afrika zu bauen. In Tshumbe (Kongo) hat sie nicht nur diese Lebensvision verwirklicht.

Manuela mit ihrem Ehemann Kerby in der elterlichen Garage, wo ein Teil der Verkaufsgegenstände aufbewahrt wird.
© Michael Mader

Von Michael Mader

Going a. W. K., Tshumbe – Zwei Dinge hat Manuela Erber-Telemaque gewusst, als sie noch ein kleines Kind war: Sie wird Kindergärtnerin und baut in Afrika einen Kindergarten auf. Natürlich hat das der Sechsjährigen niemand zugetraut. Beides hat sie geschafft und noch ganz viel mehr.

Beatrice, eine der Schneiderinnen des Projekts „Zukunft für Tshumbe“.
© Zukunft für Tshumbe

„‚Die Manu mit ihrem Afrika‘, haben meine Freundinnen immer gesagt“, erzählt die lebensfrohe 28-Jährige mit einem großen Grinsen im Gesicht, als sie die TT auf dem elterlichen Bauernhof in Going besucht. Die Anreise ist langwierig und mit dem Auto nur über St. Johann möglich. Nichts im Vergleich zur Reise nach Tshumbe in der Demokratischen Republik Kongo. Genau dort hat Manuela mit ihrem Projekt gestartet, nachdem sie mit 17 Jahren bei einem Vortrag im Pinzgau zum ersten Mal von dem Ort gehört hatte.

Manuela inmitten „ihrer“ Kinder.
© Zukunft für Tshumbe

„Flüge gehen nur nach Kinshasa und weiter nach Lodja. Von dort führt eine Straße über 150 Kilometer nach Tshum­be. Dafür braucht man mit dem Auto acht Stunden“, erzählt Manuela von den Strapazen. Diese eine Straße in das Dorf ist auch mit ein Grund dafür, warum Manuela zurzeit in Going ist und nicht, wie üblich, drei Viertel des Jahres in Tshumbe. „Ich bin seit März hier. Zum einen, weil sich leider Rebellengruppen gebildet haben, von denen man auf dem Weg ins Dorf überfallen werden kann, zum anderen natürlich wegen Corona“, wird die Obfrau des Vereins „Zukunft für Tshumbe“ nachdenklich. Wobei sie hier wie immer nicht an sich und ihre eigene Gesundheit denkt, sondern Angst hat, dass sie sich auf der langen Reise infizieren und den Virus einschleppen könnte.

Apropos Gesundheit: Fast hätte Manuela ihren ersten, sechsmonatigen Aufenthalt in Tshumbe nicht überlebt. „Ich hatte Amöbenruhr, drei verschiedene Würmer und Malaria. Mir ging es so schlecht, dass ich meine Mama angerufen habe, weil ich dachte, dass ich die Nacht nicht überleben werde. Das war auch für meine Mama nicht leicht“, bekommt Manuela auch nach acht Jahren immer noch feuchte Augen. Mit der medizinischen Hilfe einer einheimischen Ärztin gelang es ihr damals, zumindest wieder die Heimreise antreten zu können.

Bis dahin wurde aus der „weißen Frau“ bereits „waale waana“, was so viel heißt wie „Mutter aller Kinder“. Eine große Ehre und ein Auftrag für die Goingerin.

Mittlerweile steht in dem Dorf nicht nur ihr Herzens­projekt, der Kindergarten, sondern auch eine Grundschule, eine Krankenstation und gerade wird an einer zweiten Grundschule gebaut. Aber auch ein Garten- und Kochprojekt, eine Nähwerkstatt und eine Tischlerei bzw. Zimmerei wurden aufgebaut. Rund 70 Mitarbeiter werden mit Essen und Medizin versorgt und natürlich auch bezahlt. Wichtig sei, gute Strukturen aufzubauen, lokale Materialien zu verwenden und Weiterbildung.

„Jeder Cent, der gespendet wird, kommt auch an“, verspricht Manuela. Sie hat in der Anfangszeit nicht nur ihr Erspartes in das Projekt gesteckt, auch der Verein „Zukunft für Tshumbe“ bestand damals nur aus ihr und ihrer Verwandtschaft.

Tatkräftig unterstützt – auch finanziell – wird Manuela von ihrem Mann Kerby, den sie 2016 geheiratet hat. „Viele denken natürlich wegen meines Projekts und seiner dunklen Hautfarbe, dass ich ihn in Afrika kennen gelernt habe. Das stimmt aber nicht. Wir kennen uns schon seit dem Jahr 2012. Da habe ich in Paris als Au-pair gearbeitet, um Französisch zu lernen und er war – und ist immer noch – bei der amerikanischen Botschaft angestellt.“

Auch wenn Manuela derzeit nicht nach Tshumbe reisen kann, ist sie doch täglich mit Mitarbeitern vor Ort in Kontakt. Wenn sie gerade nicht an der „Zukunft für Tshum­be“ arbeitet, ist sie mit ihrem Masterstudium „Projektmanagement für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit beschäftigt. In Zukunft sollen sich die Projekte schrittweise selbst finanzieren.

„Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt, aber komplett verlassen werde ich Tshumbe nicht. Mein Herz ist dort unten, es ist mein Daheim und meine Familie geworden“, sprudelt es aus ihr heraus. Manuela will die Zukunft auf sich zukommen lassen. Eigene Kinder sind dabei natürlich auch ein Thema.

Mehr zum Projekt: www.zukunft-fuer-tshumbe.or.at


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