Dokumentarfilm „Les Dames“: Porträts einer „unsichtbaren“ Generation

Der Dokumentarfilm „Les Dames“ begleitet fünf ältere Frauen bei ihren Versuchen, gegen die Einsamkeit anzukämpfen.

Der Dokumentarfilm „Les Dames“ begleitet fünf alleinlebende Pensionistinnen ein Jahr lang durch ihren Alltag.
© Polyfilm

Innsbruck – 2011 schickte die Schweiz das Drama „La Petite Chambre“ ins Rennen um den Auslands-Oscar. Mit ca. 80.000 Besucherinnen und Besuchern allein in der Eidgenossenschaft zählte der Spielfilm von Stéphanie Chuat und Véronique Reymond auch kommerziell zu den Überraschungserfolgen der Saison. Bei der Auswertung der Zuschauerzahlen fiel den Regisseurinnen auf, dass sie das nicht zuletzt einem Publikumssegment verdankten, für das Film und Fernsehen zumeist eher undankbare Parts bereithält: älteren Frauen. Dem wollten Chuat und Reymond auf den Grund gehen. Obwohl gerade Filmfinanzierungsstellen beharrlich darauf verwiesen, dass das Leben von allein lebenden Pensionistinnen ein wenig vielversprechendes Thema sei. Hunderte Frauen meldeten sich nach einem Castingaufruf, fünf davon porträtieren Reymond und Chuat in ihrem erstaunlichen Film „Les Dames“.

📽️ Trailer | „Les Dames“

Da ist Marion zum Beispiel, die mittels Dating-Agentur einen Ausweg aus der Einsamkeit sucht – und ihre ersten Erfahrungen mit Alain, den sie kennen lernt, kichernd mit einer Freundin teilt. In ihrem Ton ist Marions Geschichte die leichteste des Films – beinahe eine „romantic comedy“. Überhaupt zeichnet sich „Les Dames“ durch konsequente dramaturgische Entscheidungen aus. Selbst wenn von Momenten größter Intimität gesprochen wird, von Verlusten, Schmerz oder sexueller Erfüllung, ist „Les Dames“ nie aufdringlich oder gar voyeuristisch. Der Film nimmt seine Protagonistinnen ernst, stellt seine bisweilen tiefgreifenden Fragen beinahe beiläufig – und porträtiert damit nicht nur fünf Frauen – Odile zum Beispiel, die zur Jägerin wird, das Gewehr aber liebend gern gegen die Kamera tauscht, oder Pierrette, die durch die Geburt ihres Enkelkindes neuen Lebensmut findet –, sondern gesellschaftliche Konventionen, die sich auch im 21. Jahrhundert gehalten haben: Frauen haben für andere gelebt und gearbeitet – jetzt sind sie geschieden oder verwitwet und haben sich aus der werberelevanten Zielgruppe in die Unsichtbarkeit verabschiedet. „Les Dames“ macht sie sichtbar. Unaufgeregt, unaufdringlich – eindrücklich. (jole)

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