Auch Tirol am Limit beim Contact-Tracing, Kritik am „Freitesten"

Nach Vorarlberg stößt man auch in Tirol zunehmend an die Grenzen des Contact-Tracing. Köstingers Forderung für ein „Freitesten“ wird teils kritisiert.

Viele Testungen und Warnmaßnahmen sind derzeit im Gespräch, um die behördliche Kontaktnachverfolgung zu entlasten.
© AFP

Innsbruck, Wien – Die Tiroler Bezirkshauptmannschaften werden sich ab kommender Woche an den Nachmittagen ganz auf die Bekämpfung der Corona-Pandemie konzentrieren. Bürger-Anliegen, die nichts mit dem Coronavirus zu tun haben, sollen auf den Vormittag beschränkt bleiben. „Die Situation spitzt sich ob der stark ansteigenden Infektionszahlen immer weiter zu“, sagte Landesamtsdirektor Herbert Forster am Samstag. Die Bezirksbehörden müssten sich auf die rasche Aufklärung von Infektionsketten fokussieren. Forster sprach von einer „ernsten Situation“.

In Vorarlberg kann man, wie bereits berichtet, die Kontaktnachverfolgung wegen Überlastung nicht mehr im vollen Umfang aufrechterhalten, man muss sich in nächster Zeit auf Hochrisikogruppen konzentrieren.

„Das ist noch kein Thema“

In Tirol ist man – so Einsatzstabsleiter Elmar Rizzoli – „am Limit, die Ressourcen werden knapp“. Deshalb wird das anfänglich von der Bundesregierung festgelegte Contact-Tracing von Verdachtsfällen nicht mehr gemacht. Man verfolge nur noch bei bestätigten „Positiven“. Damit schaffe man Luft für mehr Kräfte, denn das Contact-Tracing im Verdachtsfall hat bei etwa 300 Fällen pro Tag Zeit zum Abarbeiten gefordert. Machbar ist Contact-Tracing auch in Wien noch. Dort ist derzeit keine Reduktion wie in Vorarlberg angedacht. „Das ist noch kein Thema“, hieß es seitens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Die Lage sei „herausfordernd, aber noch machbar“. Zuletzt mussten die Behörden rund 4000 Kontaktpersonen täglich nachverfolgen.

Indes hat Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) der von der ÖVP geforderten raschen Verkürzung der Kontaktpersonen-Quarantäne eine Absage erteilt. „Ich bin gerade in Zeiten der massiven Zunahme der Infektionszahlen nicht bereit, ein erhöhtes Risiko für die Bevölkerung einzugehen“, teilte Anschober am Samstag mit. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) hatte in einem TT-Interview die Regelung von 10 Tagen Quarantäne als „nicht praktikabel“ kritisiert und ein „Freitesten“ von K1-Kontaktpersonen nach fünf Tagen gefordert.

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Gesundheitsreferenten der Länder sind skeptisch, einige verweisen auf knappe Testkapazitäten. Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung begrüßen jedoch das „Freitesten“, um Personalengpässe zu verhindern. (APA, TT, lipi)


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