Caritas-Direktor Georg Schärmer: „Geben Mentlvilla niemals auf“

Scham, Schuldgefühle, soziale Isolation: Die Caritas lenkt den Blick in Zeiten der Krise auf die Situation von Suchtkranken.

Das Tageszentrum in der Mentlvilla in Innsbruck besuchen rund 65 Suchtkranke täglich.
© Thomas Boehm / TT

Innsbruck – Caritas geht immer. Mit diesem Spruch versichert die gemeinnützige Organisation, dass sie auch in unsicheren Krisenzeiten für Menschen in Not da ist. Mit 40 Stützpunkten in Tirol ist die Caritas eine verlässliche Anlaufstelle für Ratsuchende und Hilfsbedürftige. Allein die Sozialberatung führt rund 5500 Gespräche jährlich. Das Herzstück, wie Caritas-Direktor Georg Schärmer sagt, ist aber die Mentl­villa in Innsbruck. Dort werden Menschen mit Suchterkrankungen betreut, haben einen Platz zum Schlafen und können ihre Grundbedürfnisse stillen. Gerade während des Corona-Lockdowns habe sich die Einrichtung als unverzichtbar erwiesen.

Drogenkranke leiden nicht nur unter ihrer Sucht. „Sie sind meist von Wohnungsnot, sozialer Isolation und Einsamkeit betroffen. Hinzu kommen Schuld- und Schamgefühle“, zeigt Caritas-Bereichsleiterin Elisabeth Draxl auf. Die Mentl­villa ist der einzige Zufluchtsort für diese Menschen, der einzige Raum, in dem soziale Kontakte stattfinden und sie Fürsorge erfahren. „Unsere Klientinnen und Klienten sind sehr höfliche, sehr dankbare Menschen“, betont Draxl. Die Caritas wird deshalb jedenfalls an der Einrichtung festhalten: „Wir geben die Mentlvilla niemals auf“, betont Georg Schärmer in Replik auf immer wiederkehrende Proteste der Anrainer. Zur Entspannung der Lage plädiert er aber für eine Entflechtung der Einrichtung. So soll das Tageszentrum Komfüdro auf mehrere Standorte verteilt werden. (dd)


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