Tanzcompany Bodhi Project: Ritus, Spiritualität, Gewalt

Im Haller Salzlager zeigte die Galerie St. Barbara die ungemein präzise Bilderfolge „Routes“ der Salzburger Tanzcompany Bodhi Project.

Eine Menschenpyramide, von der Tanzcompany Bodhi Project virtuos aufgebaut und bald wieder aufgelöst, damit die Reise fortgesetzt werden kann.
© Victor Malyshev

Von Ursula Strohal

Hall – Gehen, gehen, gehen. Begegnen, treffen, sich finden, sich einlassen, sich lösen. Gehen. „Routes“ heißt das Stück, das GN/MC, der Libanese Guy Nader und die Spanierin Maria Campos, für Bodhi Project choreographiert haben. Der Tanzabend, der im Frühjahr das Osterfestival der Galerie St. Barbara hätte eröffnen sollen, wurde nun zweimal im sehr aufwändig adaptierten Salzlager gezeigt. Bodhi Project, inzwischen eine eigenständige Tanzcompany mit Sitz in Salzburg, wurde vor 12 Jahren von Susan Quinn gegründet, um „jungen Tänzerinnen und Tänzern eine geeignete, praxisnahe Brücke zwischen Ausbildung und Beruf zu ermöglichen“.

Die beiden Choreographen mit Sitz in Barcelona, deren Arbeiten weltweit zu sehen sind, haben für die drei Tänzerinnen und drei Tänzer mit „Routes“ ein enorm forderndes Stück konzipiert. Eine Geschlechter-Thematik ist nicht auszumachen, jede/r ist aufgefordert, nicht seine individuellen, sondern die generell möglichen körperlichen Grenzen zu erreichen.

Große Gesten ergeben sich, aber im Vorbeigehen

Der Weg, die Reise, birgt teils Einsamkeit, die Gedanken und Gefühle in Bewegung übersetzt, aber es kommt auch zum Pas de deux im klassischen Sinn und zu den kommunikativen Möglichkeiten zwischen den sechs Menschen. In permanenter schneller Bewegung treffen sie aufeinander, oft wie zufällig, berühren sich, bewegen einander, stoßen, werfen, fangen sich, formen Bilder.

Große Gesten ergeben sich, aber im Vorbeigehen auch minimalistische, wenn etwa nur der Rist eines Fußes einen Nacken stützt. Hochgeworfene Körper drehen sich um die eigene Achse, gefährlich nahe den rauen Salzlager-Säulen drehen Paare eine Variation der Todesspirale, in kräfteraubenden Stellungen muss verharrt werden. Dennoch geht alles blitzschnell, oft scheint die Schwerkraft aufgehoben. Die Bilder des Tanzkollektivs erinnern manchmal mit Zeichen von Ritus, Spiritualität, Gewalt und Körpermasse an alte Gemälde.

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Eine Dreiviertelstunde lang ist auf der Basis von eisern vernetztem Urvertrauen kaum fassbare Konzentration und Präzision gefordert. Bodhi, getanzter Erkenntnisweg?


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