Krise gut bewältigt: Möbelhandel hofft auf „schwarze Null“

Der Möbeleinzelhandel hat die Krise gut bewältigt, sagt Roman Eberharter. Den Branchenverband FENA will er als Präsident wiederbeleben. Möbelrücknahme wird Thema.

Der Tiroler Roman Eberharter, Präsident des europäischen Möbelhändlerverbands FENA, sieht in der Digitalisierung Chancen für kleine Firmen.
© Eberharter

Von Max Strozzi

Innsbruck – Der Möbeleinzelhandel könnte heuer mit einem blauen Auge davonkommen. „Den ganzen Rückstau aus dem Lockdown bis Ende des Jahres aufzuholen, wird zwar nicht überall möglich sein. Wir rechnen aber heuer insgesamt mit einer schwarzen Null, abhängig noch vom Weihnachtsgeschäft“, sagt der Zillertaler Unternehmer Roman Eberharter, der unlängst zum Präsidenten des europäischen Möbelhändlerverbands FENA gekürt wurde. Dass der heimische Möbelhandel die Krise bisher besser bewältigt habe als andere Branchen, habe damit zu tun, „dass sich viele Menschen heuer länger daheim aufgehalten haben und das Wohnen mehr wertgeschätzt wird“. Zudem habe auch die öffentliche Hand investiert – etwa in Kindergartenmöbel und dergleichen.

Den europäischen Möbelhändlerverband FENA will der Zillertaler als dessen neuer Präsident aus dem Dornröschenschlaf wecken. Die FENA hatte vor 10 Jahren ihren Höhepunkt, ehe viele große Länderorganisationen etwa aus Italien oder Frankreich ausstiegen, um in Brüssel in Eigenregie zu lobbyieren, schildert Eberharter. Er will versuchen, Länderorganisationen, Einkaufsverbände und andere Partner wieder zurück ins Boot zu holen, um die Stimme des Möbelhandels in Brüssel zu stärken. „Viele Verbände sind in Brüssel vertreten – es gibt sogar einen Laminatbodenverband und Parkettbodenverband. Der Möbelhandel aber hat einen seit Jahren inaktiven Verband. Derzeit vertritt die FENA laut Eigenangaben 100.000 Möbelhändler.

Themen gebe es genug – Stichwort Nachhaltigkeit. „Es geistert das Gespenst der verpflichtenden Möbelrücknahme herum“, sagt Eberharter: „Sollte das nach den Vorstellungen der ambitionierten Befürworter umgesetzt werden, könnte jeder seine alte Küche und das alte Sofa bei jedem Möbelhändler zurückbringen“, sagt er und fordert, eine etwaige verpflichtende Möbelrücknahme „unbürokratisch, ohne Mehrkosten und handelsfreundlich“ umzusetzen.

"Der Möbelhandel braucht Ideen"

Weiters wolle man dafür eintreten, giftige Stoffe aus Möbeln zu verbannen – etwa gewisse Kleber oder Chemikalien, die Möbel schwer entflammbar machen. Dann, so Eberharter, ließen sich die Möbel auch besser recyceln. Ebenso will man die unterschiedlichen Normen – etwa Zulassungsverfahren oder Brandschutzbestimmungen – in den EU-Ländern angehen und die Digitalisierung vorantreiben. „Home-Office beispielsweise wird das Wohnen verändern. Der Möbelhandel braucht Ideen, wie man Wohnen und Home-Office sinnvoll kombiniert, ohne dass ein Bürocharakter entsteht.“

In Österreich machen die „großen drei“ – XXXLutz, Kika/Leiner und IKEA – 75 Prozent der Möbelhandelsumsätze, so Eberharter. Zudem hätten sich in jedem Bundesland zwei, drei größere Familienbetriebe durchgesetzt. Viele kleinere Firmen seien allerdings verschwunden – auch als Opfer von Rabattschlachten. Doch Digitalisierung oder Themen wie „Smart Living“ – in Möbel eingebaute Technik– sowie Wohnraumplanung via virtuelle Realität könnten KMUs oder neuen Firmen eine Nische bieten, um sich gegen die Branchengrößen durchzusetzen, ist der Zillertaler überzeugt.


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